Wärmepumpe Voraussetzungen: Checkliste vor dem Kauf
Eine Wärmepumpe passt in deutlich mehr Häuser, als viele denken. Ein Neubau oder eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung. Entscheidend ist, ob Ihr Haus an kalten Tagen mit einer Vorlauftemperatur von höchstens rund 55 °C warm wird, ob es einen geeigneten Platz für das Gerät gibt und ob Stromanschluss und Förderung rechtzeitig geklärt sind.
Diese Checkliste führt Sie in neun Schritten durch alle Voraussetzungen, die Sie vor dem Kauf prüfen sollten. Zu jedem Punkt finden Sie den Ratgeber mit allen Details.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wichtigste Voraussetzung: Das Haus wird an kalten Tagen mit höchstens rund 55 °C Vorlauftemperatur warm.
- Keine Voraussetzung: Fußbodenheizung, Neubau oder ein bestimmtes Baujahr. Auch normale Heizkörper funktionieren, wenn sie groß genug sind.
- Leistung: Grundlage ist die Heizlast des Hauses, nicht die Wohnfläche.
- Platz und Schall: Die Außeneinheit braucht einen Standort, an dem die Nachtwerte der TA Lärm beim Nachbarn eingehalten werden.
- Strom und Förderung: Die Wärmepumpe wird beim Netzbetreiber angemeldet. Den Förderantrag stellen Sie vor Beginn der Arbeiten.
Checkliste: 9 Voraussetzungen im Überblick
Gehen Sie die Punkte der Reihe nach durch. Können Sie eine Frage noch nicht mit Ja beantworten, zeigt die rechte Spalte, was zu tun ist.
| Nr. | Prüffrage | Wenn nein oder unklar |
|---|---|---|
| 1 | Ist die Heizlast des Hauses bekannt? | Heizlast berechnen lassen, erste Orientierung mit dem Wärmepumpen-Rechner |
| 2 | Wird das Haus an kalten Tagen mit höchstens 55 °C warm? | 55-°C-Test machen, siehe Wärmepumpe im Altbau |
| 3 | Sind die Heizflächen groß genug? | einzelne Heizkörper tauschen, siehe Heizkörper für die Wärmepumpe |
| 4 | Gibt es einen Platz für das Gerät? | Standort prüfen, siehe Aufstellort |
| 5 | Werden die Schallwerte beim Nachbarn eingehalten? | leiseres Gerät oder anderen Standort wählen, siehe Lautstärke |
| 6 | Ist im Zählerschrank Platz und ist die Anmeldung beim Netzbetreiber geplant? | Elektrobetrieb einbinden, siehe Stromanschluss |
| 7 | Ist die Warmwasserbereitung geplant? | Speicher passend wählen, siehe Wärmepumpe Speicher |
| 8 | Ist die Förderung vor dem Vertrag geklärt? | Reihenfolge beachten, siehe Förderung |
| 9 | Gibt es einen Fachbetrieb für Einbau und Inbetriebnahme? | frühzeitig anfragen, wir beraten Sie gerne bei der Auswahl |
Gebäude: Heizlast und Vorlauftemperatur
Die Wärmepumpe wird nach der Heizlast ausgelegt, also nach der Leistung, die das Haus am kältesten Auslegungstag braucht. Verbindlich ist nur eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Die Wohnfläche allein reicht dafür nicht, weil Dämmung, Fenster und Lage des Hauses die Heizlast stark beeinflussen. Einen ersten Anhaltspunkt liefert Ihr bisheriger Gas- oder Ölverbrauch, er ist aussagekräftiger als die Wohnfläche. Wie Sie die passende Größe ermitteln, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe dimensionieren.
Noch wichtiger als das Baujahr ist die Vorlauftemperatur. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger sie ist. Reichen an kalten Tagen rund 55 °C, um alle Räume warm zu bekommen, ist die wichtigste Voraussetzung erfüllt. Das können Sie mit Ihrer bestehenden Heizung selbst testen.
Eine gute Dämmung senkt Heizlast und Vorlauftemperatur. Eine Komplettsanierung ist aber keine Voraussetzung. Oft reichen einzelne Maßnahmen wie neue Fenster, eine gedämmte oberste Geschossdecke oder größere Heizkörper in einzelnen Räumen.
Heizflächen: Heizkörper oder Fußbodenheizung
Eine Fußbodenheizung ist ideal, weil sie mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt. Sie ist aber keine Voraussetzung. Auch mit normalen Heizkörpern arbeitet eine Wärmepumpe effizient, wenn die Heizkörper bei niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme abgeben. In vielen Bestandshäusern sind sie dafür ohnehin groß genug, weil sie früher großzügig ausgelegt wurden.
| Heizfläche | Eignung | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Fußboden- oder Wandheizung | sehr gut | Wärmepumpe mit Fußbodenheizung |
| große Flachheizkörper Typ 22 oder 33 | gut | Flachheizkörper Typ 33 |
| Wärmepumpenheizkörper mit Gebläse | sehr gut, auch auf kleiner Fläche | Wärmepumpenheizkörper |
| kleine Heizkörper Typ 10 oder 11 | eher schwach | Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung |
Meist müssen nicht alle Heizkörper getauscht werden, sondern nur die, die bei niedriger Vorlauftemperatur nicht reichen. Ob Ihre Heizkörper genug leisten, prüfen Sie überschlägig mit dem Heizkörperrechner. Damit jeder Heizkörper die richtige Wassermenge bekommt, gehört ein hydraulischer Abgleich dazu.
Bauliche Voraussetzungen: Aufstellort, Fundament und Schall
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht einen Platz für die Außeneinheit, mit genug Abstand zu Wänden, damit die Luft frei ansaugen und ausblasen kann. In den meisten Bundesländern ist die Außeneinheit verfahrensfrei. Das heißt aber nicht, dass keine Regeln gelten: Die Landesbauordnungen regeln unterschiedlich, wie nah das Gerät an der Grundstücksgrenze stehen darf.
Für die Außeneinheit sollten Sie außerdem einplanen:
- Fundament: ein Betonfundament mit frostfreiem Aushub von etwa 80 cm, alternativ ein Sockel oder eine Wandkonsole
- Kondensatablauf: Das Tauwasser des Geräts muss frostsicher abfließen können
- Leitungswege: möglichst kurze Wege ins Haus, Heizungs-, Strom- und Kondensatleitungen am besten in vorab verlegten Leerrohren
Für den Schall gelten immer die Richtwerte der TA Lärm, gemessen am Fenster des Nachbarn:
| Gebiet | Tag (6 bis 22 Uhr) | Nacht (22 bis 6 Uhr) |
|---|---|---|
| reines Wohngebiet | 50 dB(A) | 35 dB(A) |
| allgemeines Wohngebiet | 55 dB(A) | 40 dB(A) |
| Dorf- und Mischgebiet | 60 dB(A) | 45 dB(A) |
Immissionsrichtwerte nach TA Lärm. Welcher Gebietstyp für Ihr Grundstück gilt, steht im Bebauungsplan Ihrer Gemeinde.
Je leiser das Gerät, desto weniger Abstand zum Nachbarn ist nötig. Welche Abstände sinnvoll sind, erklären die Ratgeber Wärmepumpe Abstand zum Nachbarn und Wärmepumpe Lautstärke.
Wärmequelle: Luft, Erdwärme oder Grundwasser
Welche Voraussetzungen das Grundstück erfüllen muss, hängt von der Wärmequelle ab. Für die meisten Einfamilienhäuser ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die einfachste Lösung.
| Wärmequelle | Voraussetzung | Genehmigung |
|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | Platz für die Außeneinheit, Schallwerte beim Nachbarn eingehalten | in den meisten Bundesländern verfahrensfrei |
| Erdwärmepumpe mit Erdsonde | Bohrung auf dem Grundstück möglich, Zufahrt für das Bohrgerät | in der Regel wasserrechtliche Genehmigung, in Wasserschutzgebieten oft nicht erlaubt |
| Erdwärmepumpe mit Erdkollektor | große freie Fläche im Garten, die nicht überbaut oder versiegelt wird | je nach Bundesland und Lage anzeigepflichtig |
| Wasser-Wasser-Wärmepumpe | geeignetes Grundwasser, Platz für Saug- und Schluckbrunnen, vorab eine Wasseranalyse | in der Regel wasserrechtliche Genehmigung |
Stromanschluss und Netzbetreiber
Die meisten Luft-Wasser-Wärmepumpen werden mit 400 Volt Drehstrom angeschlossen, kleinere Geräte gibt es auch für 230 Volt. Die Wärmepumpe braucht einen eigenen, passend abgesicherten Stromkreis, einen Platz im Zählerschrank und eine Anmeldung beim Netzbetreiber. Die Anmeldung übernimmt der eingetragene Elektrobetrieb. Melden Sie die Wärmepumpe frühzeitig an, denn der Netzbetreiber legt dabei auch Zähler und Steuerung fest.
- Zählerschrank: Prüfen Sie, ob Platz für einen zweiten Zähler, etwa für einen Wärmepumpentarif, und für die Steuerbox vorhanden ist.
- Steuerbarkeit nach § 14a EnWG: Neue Wärmepumpen über 4,2 kW müssen steuerbar sein. Der Netzbetreiber darf sie bei Engpässen kurz drosseln, aber nie unter 4,2 kW.
- Kein Ablehnungsgrund: Den Anschluss einer neuen Wärmepumpe darf der Netzbetreiber nicht mit Verweis auf eine mögliche Überlastung seines Netzes ablehnen oder verzögern.
Alle Details stehen im Ratgeber Wärmepumpe Stromanschluss. Ob sich ein eigener Tarif lohnt, lesen Sie unter Wärmepumpenstrom.
Warmwasser und Speicher
Die meisten Wärmepumpen erwärmen auch das Trinkwasser. Dafür brauchen Sie einen passenden Warmwasserspeicher und den nötigen Platz im Haus. Bei Kompaktgeräten mit eingebautem Speicher ist er bereits integriert. Je nach Anlage kommt ein Pufferspeicher für den Heizkreis dazu. Was Sie wirklich brauchen, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Speicher.
Förderung und Reihenfolge
Für den Einbau einer Wärmepumpe im Bestand gibt es einen Zuschuss der KfW. Damit Sie ihn bekommen, ist die Reihenfolge entscheidend. Den Antrag stellen Sie vor Beginn der Arbeiten.
- Angebot einholen und einen Vertrag mit Förderbedingung schließen
- Bestätigung zum Antrag vom Fachbetrieb oder Energieeffizienz-Experten erstellen lassen
- Antrag bei der KfW stellen
- Wärmepumpe einbauen lassen, inklusive hydraulischem Abgleich
- Nachweise einreichen und Auszahlung erhalten
Auch das Gerät selbst muss technische Anforderungen erfüllen, unter anderem eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0 nach VDI 4650 sowie Vorgaben zu Schall und Steuerbarkeit. Die Boni für Klimageschwindigkeit und Einkommen erhalten nur selbstnutzende Eigentümer. Fördersätze und alle Voraussetzungen für die Förderung finden Sie im Förder-Ratgeber, die Gesamtkosten unter Wärmepumpe Kosten.
Neubau oder Bestand: Was ist anders?
| Punkt | Neubau | Bestand |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur | meist niedrig, oft mit Fußbodenheizung | vorher mit dem 55-°C-Test prüfen |
| Heizflächen | werden für die Wärmepumpe geplant | vorhandene Heizkörper prüfen, einzelne eventuell tauschen |
| Aufstellort | von Anfang an einplanbar | Platz, Abstände und Leitungswege vor Ort klären |
| Förderung | keine Heizungsförderung, sie gilt nur für bestehende Gebäude | KfW-Zuschuss für den Heizungstausch |
| Ratgeber | Wärmepumpe im Neubau | Wärmepumpe im Altbau |
Wann passt eine Wärmepumpe nicht?
Schwierig wird es, wenn mehrere Punkte zusammenkommen: Das Haus braucht auch nach kleineren Anpassungen dauerhaft deutlich mehr als 55 °C Vorlauftemperatur, die Heizlast ist sehr hoch und es gibt keinen Standort, an dem die Schallwerte eingehalten werden. Dann ist zuerst eine Sanierung sinnvoll, oder eine Hybridheizung, bei der eine Gasheizung an den kältesten Tagen unterstützt. Welche Nachteile eine Wärmepumpe tatsächlich hat und welche nur Mythen sind, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Nachteile.
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Klären Sie die Voraussetzungen in der richtigen Reihenfolge: zuerst Heizlast und 55-°C-Test, dann Aufstellort und Schall, erst danach das Gerät. Wer zuerst ein Modell aussucht, merkt oft zu spät, dass es zu groß ist oder am geplanten Platz zu laut wäre.
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