Wärmepumpe im Neubau: Pflicht, Größe, Kosten und Förderung 2026
Eine Wärmepumpe ist im Neubau seit dem 29. Juli 2026 keine gesetzliche Pflicht mehr, sie ist aber fast immer die einfachste und günstigste Lösung. Ein Einfamilienhaus mit 150 m² braucht meist nur 3 bis 6 kW Heizleistung, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe verbraucht dafür rund 2.000 kWh Strom im Jahr. Gefördert wird der Neubau nicht mit dem KfW-Zuschuss 458, sondern mit zinsgünstigen KfW-Krediten.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was das neue Gebäudemodernisierungsgesetz für Bauherren bedeutet, welche Wärmepumpe zu Ihrem Neubau passt, wie groß sie sein muss, was sie kostet und worauf Sie in der Planung achten sollten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gesetz: Die 65-%-Regel ist mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) entfallen. Ein Neubau darf aber nur 55 % des Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes haben. Eine Wärmepumpe erfüllt das in der Regel ohne Zusatzmaßnahmen.
- Größe: Neubauten haben eine Heizlast von etwa 20 bis 40 W/m². Für 150 m² reichen meist 3 bis 6 kW.
- Effizienz: Mit Fußbodenheizung und 30 bis 35 °C Vorlauf arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Neubau besonders sparsam.
- Förderung: KfW-Kredite für Effizienzhaus 55 (nur noch 2026), Effizienzhaus 40 (Programme 297/298) und für Familien (Programm 300). Der Heizungszuschuss 458 gilt nur für bestehende Gebäude.
Ist eine Wärmepumpe im Neubau Pflicht?
Nein. Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablöst. Die Pflicht, neue Heizungen mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien zu betreiben, ist damit für Neubau und Bestand gestrichen. Bauherren können die Heizung wieder technologieoffen wählen.
Ganz frei ist die Wahl trotzdem nicht. Für jeden Neubau gelten weiter energetische Mindestanforderungen, und neue Gas- und Ölheizungen haben eigene Auflagen.
| Regel | Was sie für Ihren Neubau bedeutet |
|---|---|
| Primärenergiebedarf höchstens 55 % des Referenzgebäudes | Das Referenzgebäude heizt mit Gas und Solarthermie. Eine Wärmepumpe erreicht den Wert meist automatisch, eine Gasheizung oft nur mit zusätzlicher Solarthermie oder besserer Dämmung. |
| Gebäudehülle mindestens auf Niveau des Referenzgebäudes | Dämmung und Fenster müssen im Mittel so gut sein wie beim Referenzgebäude, egal welche Heizung Sie wählen. |
| Bio-Treppe für neue Gas- und Ölheizungen | Ab 2029 müssen mindestens 10 % klimaneutrale Brennstoffe genutzt werden, ab 2030 15 %, ab 2035 30 % und ab 2040 60 %. |
| Solarpflicht | Bundesweit ist sie für neue Wohngebäude ab 2030 vorgesehen. Einige Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, verlangen schon heute Photovoltaik auf Neubauten. |
| EU-Gebäuderichtlinie | Ab 2030 sollen alle Neubauten Nullemissionsgebäude sein. Die Umsetzung in deutsches Recht steht noch aus. |
Welche Wärmepumpe passt zum Neubau?
Im Neubau ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die Standardlösung. Der Wärmebedarf ist so gering, dass sich die Mehrkosten einer Erdbohrung über den niedrigeren Stromverbrauch nur selten bezahlt machen. Erdwärme lohnt sich vor allem, wenn Sie im Sommer passiv kühlen möchten oder wenig Platz für ein Außengerät haben.
| Wärmepumpenart | Eignung im Neubau | Vorteile | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser (Monoblock oder Split) | sehr gut, Standardlösung | günstigste Anschaffung, keine Erdarbeiten, kurze Bauzeit | Aufstellort und Schall früh planen |
| Sole-Wasser (Erdwärme) | gut, wenn Grundstück und Budget passen | höchste Effizienz im Winter, sehr leise, passive Kühlung möglich | Bohrgenehmigung oder Kollektorfläche, deutlich höhere Kosten |
| Wasser-Wasser (Grundwasser) | selten | sehr effizient bei passendem Grundwasser | Brunnen, wasserrechtliche Erlaubnis, Wasseranalyse |
| Lüftungs-Kompaktgerät | nur Passivhaus | Heizung, Warmwasser und Lüftung in einem Gerät | reicht nur bei sehr kleiner Heizlast |

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen haben Sie die Wahl zwischen Monoblock und Split. Im Neubau wird heute meist ein Monoblock mit natürlichem Kältemittel wie R290 eingebaut, weil zwischen Außen- und Inneneinheit nur Wasserleitungen verlaufen. Die Unterschiede erklärt der Ratgeber Monoblock oder Split-Wärmepumpe. Einen Überblick über aktuelle Geräte gibt der Wärmepumpen-Vergleich.
Wie viel kW Wärmepumpe braucht ein Neubau?
Ein Neubau mit 150 m² braucht je nach Dämmstandard etwa 3 bis 6 kW Heizleistung. Maßgeblich ist die Heizlast nach DIN EN 12831, die Ihr Planer oder Fachbetrieb für jeden Raum berechnet. Die Wohnfläche allein reicht für die Auswahl nicht aus.
| Gebäudestandard | Heizlast pro m² (ca.) | Heizlast bei 120 m² (ca.) | Heizlast bei 150 m² (ca.) |
|---|---|---|---|
| Effizienzhaus 40 | 20 bis 30 W/m² | 2,5 bis 3,5 kW | 3 bis 4,5 kW |
| Neubau nach gesetzlichem Mindeststandard | 30 bis 40 W/m² | 4 bis 5 kW | 5 bis 6 kW |
| zum Vergleich: sanierter Altbau | 50 bis 70 W/m² | 6 bis 8 kW | 8 bis 11 kW |
Für Warmwasser plant der Fachbetrieb einen Zuschlag ein, bei vier Personen grob 1 kW. Viele moderne Geräte regeln ihre Leistung stufenlos und decken so einen großen Bereich ab. Eine Außeneinheit wie die Bosch Compress AW 5 OR-S Monoblock passt in diese Leistungsklasse für typische Einfamilienhäuser im Neubau. Wie die Auslegung im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe dimensionieren.
Wahrheit: Eine zu große Wärmepumpe schaltet in der Übergangszeit ständig an und aus. Das kostet Effizienz und verkürzt die Lebensdauer des Verdichters. Warum das so ist, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe taktet.
Unsicher, welche Leistung Ihre Wärmepumpe braucht?
Nutzen Sie unseren kostenlosen Wärmepumpenrechner und erhalten Sie eine erste Einschätzung zur passenden kW-Leistung für Ihr Haus. Ideal als Orientierung, wenn Sie eine Wärmepumpe planen, Ihre alte Heizung ersetzen oder den Umstieg besser einschätzen möchten.
Hinweis: Der Rechner liefert eine unverbindliche Ersteinschätzung und ersetzt keine fachgerechte Heizlastberechnung.
Wärmepumpe berechnenFußbodenheizung und Vorlauftemperatur im Neubau
Im Neubau lässt sich die Wärmepumpe so effizient betreiben wie sonst nirgends, weil Sie das Heizsystem von Anfang an auf niedrige Temperaturen auslegen können. Eine Fußbodenheizung mit engem Verlegeabstand kommt mit 30 bis 35 °C Vorlauf aus. Je Grad weniger sinkt der Stromverbrauch um bis zu 2,5 %.
Große Heizfläche → niedriger Vorlauf → höhere Jahresarbeitszahl → weniger Strom
Mit 30 bis 35 °C erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Neubau realistisch eine Jahresarbeitszahl von 4 und mehr. Aus 1 kWh Strom werden dann mindestens 4 kWh Wärme. Wie sich die Vorlauftemperatur auf die Effizienz auswirkt, zeigt der Ratgeber Vorlauftemperatur der Wärmepumpe. Tipps zur Auslegung der Flächenheizung finden Sie unter Wärmepumpe mit Fußbodenheizung.
Eine Fußbodenheizung kann im Sommer auch sanft kühlen, wenn die Wärmepumpe dafür ausgelegt ist. Was dabei möglich ist, lesen Sie unter Wärmepumpe kühlen.
Was kostet eine Wärmepumpe im Neubau?
Im Neubau ist eine Wärmepumpe günstiger als im Altbau, weil keine alte Heizung ausgebaut und keine Heizkörper getauscht werden müssen. Die Fußbodenheizung gehört ohnehin zum Rohbau. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Neubau inklusive Einbau meist 15.000 bis 25.000 €.
| Wärmepumpenart | Komplettpreis im Neubau (ca.) | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Luft-Wasser | 15.000 bis 25.000 € | Gerät, Speicher, Fundament, Installation |
| Sole-Wasser mit Flächenkollektor | 25.000 bis 35.000 € | zusätzlich Erdarbeiten und Kollektorfläche |
| Sole-Wasser mit Erdsonde | 28.000 bis 40.000 € | zusätzlich Bohrung und Genehmigung |
Die Preise gelten ohne Fußbodenheizung und ohne Photovoltaik. Wie sich der Komplettpreis im Detail zusammensetzt, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Kosten.
Laufende Kosten im Neubau
Ein Neubau mit 150 m² und Fußbodenheizung braucht für Heizung und Warmwasser rund 8.000 kWh Wärme im Jahr. Bei einer Jahresarbeitszahl von 4 verbraucht die Wärmepumpe dafür etwa 2.000 kWh Strom.
| Posten | Pro Jahr (ca.) |
|---|---|
| Strom mit Wärmepumpentarif (rund 24 ct/kWh plus Grundpreis) | 620 € |
| Wartung | 150 bis 300 € |
| Gesamt | 770 bis 920 €, also rund 65 bis 75 € im Monat |
Zum Vergleich: Dieselbe Wärmemenge kostet mit einer Gas-Brennwertheizung bei rund 12 ct/kWh etwa 1.000 € allein für das Gas. Grundpreis, Schornsteinfeger und Wartung kommen hinzu, ab 2029 außerdem die Pflicht zu teureren klimaneutralen Brennstoffen. Mehr zum Verbrauch lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch, passende Tarife finden Sie unter Wärmepumpe Stromtarif.
Welche Förderung gibt es für eine Wärmepumpe im Neubau?
Für den Neubau gibt es keinen Zuschuss für die Wärmepumpe allein. Die KfW-Heizungsförderung 458 mit bis zu 70 % Zuschuss gilt nur für bestehende Gebäude. Neubauten werden über zinsgünstige Kredite für das ganze Haus gefördert. Voraussetzung ist immer eine Heizung ohne fossile Brennstoffe, und der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden.
| Programm | Standard | Kredit pro Wohneinheit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| KfW Effizienzhaus 55 (Förderstufe im Klimafreundlichen Neubau) | Effizienzhaus 55, keine fossile Heizung | bis 100.000 € | läuft nur bis 31.12.2026 oder bis die Mittel aufgebraucht sind, Baugenehmigung muss vorliegen |
| KfW 297/298 Klimafreundlicher Neubau | Effizienzhaus 40 mit Lebenszyklusanalyse, keine fossile Heizung und keine Biomasse | bis 100.000 €, mit QNG-Siegel bis 150.000 € | günstigster Zinssatz der Neubauförderung |
| KfW 300 Wohneigentum für Familien | Effizienzhaus 40 mit Lebenszyklusanalyse | 170.000 bis 270.000 € je nach Kinderzahl und QNG | Haushaltseinkommen bis 90.000 € bei einem Kind, plus 10.000 € je weiterem Kind |
Die Zinssätze ändern sich laufend. Seit März 2026 beginnen sie im Programm 297/298 bei rund 0,6 % und in der Stufe Effizienzhaus 55 bei rund 1 % effektiv. Den tagesaktuellen Stand zeigt die KfW. Wie die Förderung für bestehende Häuser funktioniert, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Förderung.
Wärmepumpe und Photovoltaik im Neubau
Wärmepumpe und Photovoltaik sind im Neubau heute die übliche Kombination. In einigen Bundesländern ist die Solaranlage auf neuen Wohngebäuden bereits Pflicht, bundesweit soll sie ab 2030 kommen. Den meisten Solarstrom liefert die Anlage im Sommer, wenn die Wärmepumpe vor allem Warmwasser bereitet. Im Winter deckt sie nur einen kleineren Teil des Bedarfs.
Lohnend ist die Kombination trotzdem, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde den Strombezug ersetzt. Mit einem Energiemanager, der die Warmwasserbereitung in die Mittagsstunden legt, und einem passend großen Speicher steigt der Eigenverbrauch. Wie Sie beide Anlagen aufeinander abstimmen, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe mit Photovoltaik.
Wärmepumpe im Neubau planen: 8 Schritte
Die Wärmepumpe sollte schon in der Entwurfsphase mitgeplant werden. Viele Fehler entstehen, weil Aufstellort, Leitungswege oder Stromanschluss erst nach dem Rohbau festgelegt werden.
- Heizlast berechnen lassen: raumweise nach DIN EN 12831, nicht nach Faustformel.
- Heizfläche auf niedrigen Vorlauf auslegen: Fußbodenheizung mit 30 bis 35 °C Vorlauf und engem Verlegeabstand.
- Aufstellort festlegen: Abstand zum Nachbarn und zu Schlafzimmerfenstern, keine Aufstellung in Ecken oder Nischen, die den Schall verstärken. Mehr dazu unter Wärmepumpe Abstand zum Nachbarn.
- Fundament und Kondensat vorsehen: frostfreier Ablauf für das Kondenswasser und Leerrohre für Leitungen schon im Rohbau.
- Technikraum einplanen: Platz für Inneneinheit, Warmwasserspeicher und gegebenenfalls Pufferspeicher.
- Stromanschluss mit dem Netzbetreiber klären: Wärmepumpen sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG. Ein separater Zähler ermöglicht einen günstigen Wärmepumpentarif. Details unter Wärmepumpe Stromanschluss.
- Dach für Photovoltaik vorbereiten: Ausrichtung, Leerrohr zum Zählerschrank und Platz für Wechselrichter und Batteriespeicher.
- Förderung vor Baubeginn beantragen: Den KfW-Kredit beantragen Sie über Ihre Bank, bevor Sie mit dem Bau beginnen.
Wann passt eine Wärmepumpe im Neubau nicht?
Technisch scheitert eine Wärmepumpe im Neubau praktisch nie, weil Heizlast und Vorlauftemperatur niedrig sind. Es gibt aber Situationen, in denen eine andere Lösung sinnvoller oder vorgeschrieben ist.
| Situation | Was dann sinnvoll ist |
|---|---|
| Der Bebauungsplan schreibt einen Anschluss an Fernwärme vor | Fernwärme nutzen, eine Wärmepumpe ist dann meist nicht zulässig oder nicht wirtschaftlich |
| Passivhaus mit sehr kleiner Heizlast | Lüftungs-Kompaktgerät mit integrierter Wärmepumpe |
| Enge Reihenhausbebauung ohne geeigneten Platz für ein Außengerät | Erdwärme, Innenaufstellung mit Luftkanälen oder ein besonders leises Gerät |
| Die Heizfläche wird nur mit Heizkörpern und hohem Vorlauf geplant | Planung ändern, das kostet im Neubau kaum mehr und spart dauerhaft Strom |
Fazit: Wärmepumpe im Neubau
Auch ohne 65-%-Regel ist die Wärmepumpe im Neubau die naheliegende Wahl. Sie erfüllt die gesetzlichen Anforderungen ohne Umwege, ist Voraussetzung für die KfW-Kredite und heizt mit niedrigem Vorlauf sehr günstig. Entscheidend sind eine sauber berechnete Heizlast, eine großzügige Fußbodenheizung und ein gut gewählter Aufstellort. Passende Geräte finden Sie in unserer Kategorie Luft-Wasser-Wärmepumpen.
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Im Neubau sehe ich selten zu kleine, aber oft zu große Wärmepumpen. Häufig wird die Leistung noch nach Faustformeln aus dem Altbau gewählt, und das Gerät läuft dann im Frühjahr und Herbst ständig im Takt. Lassen Sie die Heizlast raumweise berechnen und wählen Sie ein Gerät, das seine Leistung weit herunterregeln kann. Und legen Sie den Aufstellort fest, bevor die Außenanlagen geplant werden, ein nachträglich verlegtes Fundament ist teurer als jede Mehrleistung.
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Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 08.10.2026
