Wärmepumpe Vorlauftemperatur: Ideale Werte, Effizienz und Einstellung

Die ideale Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe liegt mit Fußbodenheizung bei höchstens etwa 35 °C und mit Heizkörpern bei höchstens 50 bis 55 °C, jeweils an den kältesten Tagen des Jahres. Je niedriger sie ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe: Jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch um bis zu 2,5 %. Viele moderne Geräte schaffen zwar 70 °C und mehr, brauchen dann aber deutlich mehr Strom.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Vorlauftemperatur zu Ihrem Heizsystem passt, wie hoch sie bei 0 °C und bei Frost sein sollte, wie Sie im Altbau testen, ob 55 °C reichen, und wann eine Wärmepumpe mit 70 °C sinnvoll ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Richtwerte: Fußbodenheizung bis etwa 35 °C, Heizkörper bis 50 bis 55 °C, jeweils am kältesten Tag.
  • Effizienz: Jedes Grad weniger spart bis zu 2,5 % Strom. Bei 70 °C braucht eine Wärmepumpe rund doppelt so viel Strom wie bei 35 °C.
  • Altbau: Ob 55 °C reichen, lässt sich mit der alten Heizung schon vor dem Tausch testen.
  • Einstellung: Die Vorlauftemperatur stellen Sie nicht direkt ein, sondern über die Heizkurve.

Was ist die Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizungswassers, das die Wärmepumpe zu den Heizkörpern oder in die Fußbodenheizung schickt. Das abgekühlte Wasser, das zurückfließt, hat die Rücklauftemperatur. Der Unterschied zwischen beiden heißt Spreizung und liegt bei Wärmepumpen idealerweise bei etwa 3 bis 7 K.

Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Wert für die Effizienz. Die Wärmepumpe muss die Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser genau auf dieses Niveau anheben. Je höher sie liegen muss, desto mehr Arbeit hat der Verdichter. Wie das im Kreislauf funktioniert, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe: Funktion einfach erklärt.

Bedieneinheit einer Buderus Wärmepumpe zum Einstellen der Vorlauftemperatur
Die Vorlauftemperatur ergibt sich aus der Heizkurve, die in der Regelung der Wärmepumpe hinterlegt ist.

Welche Vorlauftemperatur ist bei einer Wärmepumpe ideal?

Ideal ist die niedrigste Vorlauftemperatur, bei der alle Räume auch an kalten Tagen warm werden. Wie niedrig das ist, hängt vor allem von den Heizflächen und der Dämmung ab. Große Flächen wie eine Fußbodenheizung geben schon mit lauwarmem Wasser genug Wärme ab, kleine Heizkörper brauchen heißeres Wasser.

HeizsystemVorlauftemperatur am kältesten Tag (ca.)Eignung für die Wärmepumpe
Fußboden- oder Wandheizung, gut gedämmt28 bis 35 °Csehr gut
Fußbodenheizung, weniger gut gedämmt35 bis 40 °Csehr gut
Wärmepumpen-Heizkörper oder große Heizkörper35 bis 45 °Cgut
Heizkörper im sanierten Altbau45 bis 55 °Cgut, mit guter Planung
Kleine, alte Heizkörper im unsanierten Altbau60 bis 75 °Cnur mit Einschränkungen, besser Heizflächen anpassen
Fußbodenheizung: bis etwa 35 °C · Heizkörper: bis 50 bis 55 °C
Diese Werte gelten für die kältesten Tage. An den meisten Heiztagen liegt die Vorlauftemperatur deutlich darunter.

Mehr zur Kombination mit Flächenheizungen lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe und Fußbodenheizung, zu Heizkörpern im Ratgeber Heizkörper für Wärmepumpen.

Wie stark beeinflusst die Vorlauftemperatur Effizienz und Stromverbrauch?

Sehr stark. Laut Bosch senkt jedes Grad weniger Vorlauftemperatur den Stromverbrauch um bis zu 2,5 %. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die Jahresarbeitszahl einer Luft-Wasser-Wärmepumpe typischerweise verändert:

Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe nach Vorlauftemperatur Balkendiagramm: Bei 30 Grad Vorlauf etwa Jahresarbeitszahl 5,0, bei 40 Grad 4,2, bei 50 Grad 3,5, bei 60 Grad 2,8 und bei 70 Grad 2,2. Typische Jahresarbeitszahl nach Vorlauftemperatur 5,0 30 °C 4,2 40 °C 3,5 50 °C 2,8 60 °C 2,2 70 °C Vorlauftemperatur
Beispielwerte nach Angaben von Bosch. Die tatsächliche Jahresarbeitszahl hängt vom Gerät, der Wärmequelle und dem Gebäude ab.

Was das im Alltag kostet, zeigt ein Beispiel mit 15.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr und einem Wärmepumpentarif von 24 ct/kWh:

VorlauftemperaturJahresarbeitszahl (ca.)Strom pro JahrStromkosten pro Jahr
40 °C4,2ca. 3.570 kWhca. 860 €
50 °C3,5ca. 4.290 kWhca. 1.030 €
60 °C2,8ca. 5.360 kWhca. 1.290 €
70 °C2,2ca. 6.820 kWhca. 1.640 €
Kurz erklärt: Bei 55 °C liegt die Jahresarbeitszahl in diesem Beispiel bei gut 3. Eine Wärmepumpe arbeitet damit noch wirtschaftlich, deshalb gelten 55 °C als sinnvolle Obergrenze für die kältesten Tage. Darüber steigt der Stromverbrauch deutlich.

Wie viel Strom eine Wärmepumpe pro Tag und pro Jahr braucht, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch.

Wie hoch muss die Vorlauftemperatur im Winter sein?

Die Vorlauftemperatur ist nicht fest, sondern steigt automatisch, wenn es draußen kälter wird. Das regelt die Heizkurve: Sie legt fest, welche Vorlauftemperatur zu welcher Außentemperatur gehört. Die höchsten Werte braucht die Wärmepumpe nur an den wenigen kältesten Tagen.

AußentemperaturFußbodenheizung (ca.)Heizkörper im sanierten Altbau (ca.)
+10 °C24 °C30 °C
0 °C29 °C40 °C
−10 °C33 °C50 °C
−15 °C35 °C55 °C

Beispielwerte für ein Haus, das auf 35 °C (Fußbodenheizung) bzw. 55 °C (Heizkörper) bei −15 °C ausgelegt ist. Ihre Werte hängen von Heizkurve, Gebäude und Heizflächen ab.

Welche Vorlauftemperatur sich bei Ihrer Heizkurve ergibt, rechnen Sie mit unserem Heizkurven-Rechner aus.

Reichen 55 °C im Altbau? So testen Sie es vor dem Heizungstausch

In vielen Altbauten reichen 50 bis 55 °C, auch wenn die alte Gas- oder Ölheizung mit 70 °C oder mehr gelaufen ist. Alte Kessel sind oft einfach zu hoch eingestellt. Ob Ihr Haus mit niedrigeren Temperaturen warm wird, können Sie mit der vorhandenen Heizung selbst prüfen:

  1. Kalte Tage abwarten: Der Test ist nur aussagekräftig bei Außentemperaturen um oder unter 0 °C.
  2. Vorlauftemperatur begrenzen: Stellen Sie die maximale Vorlauftemperatur der alten Heizung auf 55 °C oder senken Sie die Heizkurve entsprechend ab. Bei Unsicherheit hilft Ihr Fachbetrieb.
  3. Thermostate weit öffnen: Drehen Sie die Thermostatventile in allen Räumen weit auf.
  4. Einige Tage beobachten: Werden alle Räume ausreichend warm, ist das Haus für eine Wärmepumpe mit 55 °C geeignet.
Praxis-Tipp: Bleiben nur ein oder zwei Räume zu kalt, liegt es meist an zu kleinen Heizkörpern in genau diesen Räumen. Dann reicht es oft, diese Heizkörper zu tauschen, statt die Vorlauftemperatur für das ganze Haus anzuheben.

So senken Sie die nötige Vorlauftemperatur:

  • Einzelne Heizkörper vergrößern: Mit unserem Heizkörper-Rechner sehen Sie, welche Größe ein Raum bei niedriger Vorlauftemperatur braucht.
  • Hydraulischen Abgleich machen lassen: Erst wenn jeder Heizkörper die passende Wassermenge bekommt, kann die Temperatur sinken. Mehr dazu im Ratgeber hydraulischer Abgleich.
  • Wärmeverluste verringern: Schon neue Fenster oder eine gedämmte oberste Geschossdecke senken die nötige Temperatur spürbar.

Alles zur Planung im Bestand lesen Sie in den Ratgebern Wärmepumpe im Altbau und Wärmepumpe für Altbau ohne Fußbodenheizung.

Wärmepumpe mit 70 °C Vorlauftemperatur: Wann ist das sinnvoll?

Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen, vor allem mit dem Kältemittel R290, erreichen Vorlauftemperaturen von 70 bis 75 °C. Die Bosch Compress 6800i AW schafft zum Beispiel laut Hersteller bis zu 75 °C. Sogenannte Hochtemperatur-Wärmepumpen kommen sogar auf bis zu 100 °C.

Möglich heißt aber nicht effizient. Bei 70 °C liegt die Jahresarbeitszahl nur noch bei etwa 2,2, der Stromverbrauch ist rund doppelt so hoch wie bei 35 °C. Hohe Vorlauftemperaturen sind deshalb vor allem sinnvoll:

  • als Reserve für wenige sehr kalte Tage im Jahr,
  • als Übergangslösung, wenn Heizkörper oder Dämmung erst später verbessert werden,
  • in Gebäuden, in denen sich die Heizflächen nicht anpassen lassen, etwa unter Denkmalschutz.

Braucht Ihr Haus dauerhaft mehr als 55 °C, kann auch eine Hybrid-Wärmepumpe sinnvoll sein. Geeignete Geräte für den Bestand finden Sie im Ratgeber Beste Wärmepumpe für den Altbau.

Kann ich die Vorlauftemperatur selbst einstellen?

Ja, über die Heizkurve in der Regelung oder der App Ihrer Wärmepumpe. Eine feste Vorlauftemperatur stellen Sie dagegen in der Regel nicht ein, weil sich der Wert mit der Außentemperatur ändern muss. So gehen Sie vor:

  1. Bei mildem Wetter anfangen: Änderungen lassen sich bei Außentemperaturen bis etwa 5 °C gut beurteilen.
  2. Thermostate weit öffnen: Regeln Sie die Raumtemperatur über die Heizkurve, nicht über halb geschlossene Thermostate.
  3. In kleinen Schritten senken: Ändern Sie Neigung oder Niveau nur wenig und beobachten Sie die Räume mindestens einen bis zwei Tage.
  4. Auf starke Nachtabsenkung verzichten: Sonst muss die Wärmepumpe morgens mit hoher Vorlauftemperatur nachheizen.

Eine ausführliche Anleitung mit Startwerten für Neigung und Niveau finden Sie im Ratgeber Heizkurve einstellen. Taktet Ihre Wärmepumpe nach dem Absenken häufiger, lesen Sie den Ratgeber Wärmepumpe taktet.

Vorlauftemperatur und Warmwasser

Für das Warmwasser arbeitet die Wärmepumpe zeitweise mit einer höheren Vorlauftemperatur als für die Heizung, denn der Speicher sollte nach Empfehlung des Umweltbundesamts 55 bis 60 °C erreichen. Eine Legionellenschaltung, die den Speicher nur zeitweise aufheizt, oft mit Hilfe des Heizstabs, gilt dort nicht als sicherer Schutz. Höher als nötig sollte die Warmwassertemperatur aber nicht sein, denn jedes Grad mehr kostet Strom.

Fazit

Die Vorlauftemperatur entscheidet mehr als jeder andere Wert darüber, wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet. Mit Fußbodenheizung sollten an den kältesten Tagen etwa 35 °C reichen, mit Heizkörpern höchstens 50 bis 55 °C. Im Altbau lohnt sich der Test mit der alten Heizung, bevor Sie eine Wärmepumpe mit 70 °C planen. Alle weiteren Themen finden Sie in unserem Wärmepumpen-Ratgeber, passende Geräte im UNIDOMO Shop.

Marko Gürtler, Heizungsbaumeister und Wärmepumpen-Experte bei UNIDOMO

Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Planen Sie die Wärmepumpe nie nach der Vorlauftemperatur, mit der der alte Kessel gelaufen ist. Die war fast immer zu hoch eingestellt. Testen Sie lieber im Winter mit 55 °C, welche Räume wirklich warm werden, und tauschen Sie gezielt die Heizkörper, die nicht reichen.

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Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 08.10.2026