Heizstab bei der Wärmepumpe: Wann er sinnvoll ist und was er kostet
Der Heizstab ist die elektrische Reserve der Wärmepumpe. Er springt an sehr kalten Tagen ein, hilft bei Störungen und wird oft für das Aufheizen des Warmwassers genutzt. Weil er Strom nur 1:1 in Wärme umwandelt, ist er im Betrieb etwa dreimal so teuer wie die Wärmepumpe selbst. In einer gut geplanten Anlage läuft er deshalb nur selten. Hier erfahren Sie, wann der Heizstab zuschaltet, was der Bivalenzpunkt damit zu tun hat und was Sie tun können, wenn er ständig läuft.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Aufgabe: Der Heizstab deckt Spitzenlasten an sehr kalten Tagen, dient als Notheizung bei einer Störung und hilft oft beim Aufheizen des Warmwassers.
- Bivalenzpunkt: Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt er meist zwischen −3 und −7 °C. Darunter darf der Heizstab mithelfen.
- Anteil im Alltag: In einem Feldtest des Fraunhofer ISE entfiel nur rund 1,3 % des Stromverbrauchs von Luft-Wasser-Wärmepumpen auf den Heizstab.
- Kosten: Jede Kilowattstunde Wärme aus dem Heizstab kostet etwa so viel wie eine Kilowattstunde Strom, bei der Wärmepumpe ist es rund ein Drittel davon.
- Warnsignal: Läuft der Heizstab regelmäßig, stimmt meist etwas mit Einstellung, Hydraulik oder Auslegung nicht.
Was macht der Heizstab in der Wärmepumpe?
Ein Heizstab funktioniert wie ein Tauchsieder: Strom fließt durch einen Heizdraht und erwärmt das Wasser direkt. Aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme. Die Wärmepumpe holt dagegen zusätzlich Wärme aus der Umwelt und macht aus 1 kWh Strom im Jahresmittel etwa 3 bis 4 kWh Wärme.
Die meisten Luft-Wasser-Wärmepumpen haben einen Heizstab eingebaut oder als Zubehör vorgesehen. Man spricht dann von einem monoenergetischen Betrieb, weil beide Wärmeerzeuger mit Strom arbeiten. Der Heizstab übernimmt dabei typischerweise diese Aufgaben:
| Aufgabe | Wann |
|---|---|
| Spitzenlast | an sehr kalten Tagen unterhalb des Bivalenzpunkts, wenn die Leistung der Wärmepumpe nicht mehr ganz reicht |
| Notbetrieb | bei einer Störung der Wärmepumpe, damit das Haus warm bleibt |
| Warmwasser | wenn das Warmwasser für eine Legionellenschaltung über 60 °C erhitzt wird |
| Estrichtrocknung | im Neubau, wenn der frische Estrich über ein Aufheizprogramm getrocknet wird |
Welche Warmwassertemperatur sinnvoll ist und warum eine Legionellenschaltung allein nicht ausreicht, erklärt der Ratgeber Wärmepumpenspeicher.
Bivalenzpunkt: Ab wann schaltet der Heizstab zu?
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein nicht mehr die volle Heizleistung schafft. Je kälter es wird, desto mehr Wärme braucht das Haus und desto weniger Leistung bringt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wo sich beide Linien kreuzen, liegt der Bivalenzpunkt. Erst darunter soll der Heizstab mithelfen.
Bei monoenergetischen Luft-Wasser-Wärmepumpen liegt der Bivalenzpunkt meist zwischen −3 und −7 °C. Weil es in Deutschland nur an wenigen Tagen im Jahr so kalt ist, bleibt der Anteil des Heizstabs klein: Liegt der Bivalenzpunkt bei −5 °C, deckt die Wärmepumpe nach DIN V 4701-10 rund 98 % der Jahresheizwärme.
Bivalenzpunkt zu hoch eingestellt → Heizstab läuft schon bei milden Temperaturen → Stromkosten steigen
Eingestellt wird der Bivalenzpunkt in der Fachbetriebs-Ebene der Regelung, oft unter Bezeichnungen wie „Bivalenztemperatur“ oder „Freigabe Zusatzheizung“. Lassen Sie die Werkseinstellung nach dem ersten Winter anhand der Verbrauchsdaten prüfen. Bei einer Hybrid-Wärmepumpe übernimmt ein Gas- oder Ölkessel die Spitzenlast statt des Heizstabs, mehr dazu im Ratgeber Hybrid-Wärmepumpe.
Integrierter oder externer Heizstab: Was ist der Unterschied?
| Merkmal | Integrierter Heizstab | Externer Heizstab |
|---|---|---|
| Einbauort | in der Inneneinheit oder im Hydraulikmodul | im Puffer- oder Warmwasserspeicher |
| Regelung | direkt über die Wärmepumpe, ab Werk abgestimmt | über die Wärmepumpe oder eine eigene Steuerung |
| Leistung | vom Hersteller vorgegeben, oft in Stufen schaltbar | frei wählbar, passend zum Speicher |
| Typischer Einsatz | Standard bei vielen Luft-Wasser-Wärmepumpen | Nachrüstung, große Anlagen, Kopplung mit PV-Überschuss |
Ob ein externer Heizstab in Ihren Speicher passt, hängt von dessen Anschluss ab. Viele Puffer- und Warmwasserspeicher haben dafür eine eigene Muffe oder einen Flansch.
Wie viel Strom verbraucht der Heizstab?
Das hängt davon ab, wie oft er läuft. Der Vergleich zeigt, warum jede Stunde zählt: Für 1.000 kWh Wärme braucht der Heizstab 1.000 kWh Strom. Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 braucht für dieselbe Wärme nur rund 290 kWh.
| Szenario | Strom Heizstab pro Jahr | Kosten bei 24 ct/kWh |
|---|---|---|
| Gut eingestellt: 6 kW an wenigen kalten Tagen, zusammen 10 Stunden | 60 kWh | rund 14 € |
| Zu früh freigegeben: 6 kW, zusammen 80 Stunden | 480 kWh | rund 115 € |
| 1.000 kWh Wärme zum Vergleich über die Wärmepumpe (JAZ 3,4) | rund 290 kWh | rund 70 € |
| Dieselben 1.000 kWh Wärme über den Heizstab | 1.000 kWh | rund 240 € |
Beispielrechnung mit einem Wärmepumpentarif von 24 ct/kWh. Mit Haushaltsstrom von rund 37 ct/kWh steigen die Kosten entsprechend.
Den Stromverbrauch der gesamten Anlage, pro Tag und pro Jahr, finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch.
Heizstab läuft ständig: Was tun?
Zeigt die Regelung häufig den Heizstab an oder steigt der Stromverbrauch auffällig, steckt meist eine dieser Ursachen dahinter:
| Ursache | Was hilft |
|---|---|
| Bivalenzpunkt zu hoch eingestellt | Freigabe-Temperatur vom Fachbetrieb absenken lassen |
| Heizkurve zu steil, Vorlauf zu hoch | Heizkurve anpassen, siehe Heizkurve der Wärmepumpe einstellen |
| Wärmepumpe zu klein ausgelegt | Heizlast prüfen lassen, siehe Wärmepumpe dimensionieren |
| zu geringer Volumenstrom oder fehlender hydraulischer Abgleich | Hydraulik vom Fachbetrieb prüfen lassen |
| Legionellenschaltung zu häufig | Intervall und Temperatur in der Regelung prüfen |
| Estrichprogramm noch aktiv | nach der Trocknung auf Normalbetrieb umstellen |
| Vereisung oder Störung der Außeneinheit | Fehlerspeicher auslesen lassen, siehe Wärmepumpe vereist |
Lohnt sich ein Heizstab mit Photovoltaik?
Mit einem Heizstab lässt sich überschüssiger Solarstrom in Warmwasser verwandeln, statt ihn für eine geringe Vergütung einzuspeisen. Bei einer Wärmepumpe ist aber meist der bessere Weg, den Überschuss direkt an die Wärmepumpe zu geben: Sie macht aus derselben Kilowattstunde Solarstrom etwa die drei- bis vierfache Wärme. Über eine SG-Ready-Schnittstelle oder ein Energiemanagement lässt sie sich dafür gezielt bei Sonnenschein anheben.
Sinnvoll ist ein PV-Heizstab vor allem dann, wenn die Wärmepumpe den Überschuss nicht mehr aufnehmen kann, etwa im Sommer bei bereits warmem Speicher. Wie Sie Wärmepumpe und PV-Anlage am besten koppeln, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe mit Photovoltaik.
Heizstab nachrüsten: Kosten und Voraussetzungen
Ein Heizstab lässt sich nachrüsten, wenn die Wärmepumpe oder der Speicher dafür vorbereitet ist. Wichtig sind passende Leistung, Spannung und Anschluss sowie die Ansteuerung durch die Wärmepumpenregelung. Den elektrischen Anschluss übernimmt ein Elektrobetrieb. Zur Orientierung einige Heizstäbe aus unserem Sortiment:
| Heizstab | Leistung | Preis |
|---|---|---|
| Bosch Elektroheizstab CTHK 631 für Pufferspeicher | 2 kW, 230 V | 273,90 € |
| LG Elektroheizstab für Therma V | 3 kW, 230 V | 492,10 € |
| LG Elektroheizstab für Therma V | 6 kW, 400 V | 799,00 € |
Preise inkl. MwSt., Stand: 15.10.2026, ohne Montage. Weiteres Zubehör finden Sie unter Wärmepumpen-Zubehör.
Wie der Elektroanschluss für Wärmepumpe und Heizstab geplant wird, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromanschluss.
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Der Heizstab ist kein Feind der Wärmepumpe, sondern ihre Reserve. Schauen Sie nach dem ersten Winter in die Regelung: Viele Geräte zeigen getrennt an, wie viel Strom Verdichter und Heizstab verbraucht haben. Liegt der Heizstab bei mehr als ein paar Prozent, lohnt sich ein Termin mit dem Fachbetrieb.
Jetzt kostenlose Wärmepumpen-Beratung anfragen · Mehr über unsere Experten bei UNIDOMO
Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 15.10.2026
