Heizkurve Wärmepumpe richtig einstellen: optimale Werte für Fußbodenheizung und Heizkörper
Bei einer Wärmepumpe entscheidet die Heizkurve direkt über die Stromkosten. Jedes Grad Vorlauftemperatur, das die Anlage mehr erzeugen muss, kostet Effizienz. Gleichzeitig müssen die Räume auch an kalten Tagen warm werden. Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen: Wie hoch ist die optimale Heizkurve, welche Werte passen zu Heizkörpern, was bedeutet der Fußpunkt und wie stellen Sie eine Fußbodenheizung mit Wärmepumpe richtig ein?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fußbodenheizung: Neigung etwa 0,2 bis 0,4, Vorlauf an kalten Tagen meist rund 30 bis 35 °C.
- Heizkörper: Neigung meist etwa 0,8 bis 1,2, Vorlauf möglichst nicht über 55 °C.
- Fußpunkt: Vorlauftemperatur bei milder Witterung, das untere Ende der Heizkurve.
- Effizienz: 1 Kelvin weniger Vorlauf macht eine Luft/Wasser-Wärmepumpe rund 2 bis 2,5 % effizienter.
- Wie hoch ist die optimale Heizkurve für eine Wärmepumpe?
- Welche Heizkurve bei Wärmepumpe mit Heizkörpern?
- Was ist der Fußpunkt in der Heizkurve einer Wärmepumpe?
- Fußbodenheizung mit Wärmepumpe richtig einstellen
- Heizgrenze: Ab wann heizt die Wärmepumpe?
- Heizkurve Schritt für Schritt optimieren
- Häufige Fragen
- Fazit
Wie hoch ist die optimale Heizkurve für eine Wärmepumpe?
So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Es gibt keinen einzelnen optimalen Wert, weil jedes Haus andere Heizflächen und einen anderen Wärmebedarf hat. Optimal ist die Kurve, bei der der kühlste Hauptraum an kalten Tagen gerade noch die gewünschte Temperatur erreicht. Jede höhere Einstellung kostet Strom, ohne mehr Komfort zu bringen.
Wie viel das ausmacht, zeigt eine Zahl von WOLF: Sinkt die Vorlauftemperatur um 1 Kelvin, steigt die Effizienz einer Luft/Wasser-Wärmepumpe um rund 2 bis 2,5 Prozent. Eine um 10 Kelvin zu hohe Kurve kann also grob ein Fünftel mehr Strom bedeuten. Das wirkt sich direkt auf die Jahresarbeitszahl (JAZ) aus.
Neigung und Vorlauftemperatur im Wärmepumpen-Check
Die Tabelle zeigt, welche Vorlauftemperatur eine Neigung bei −10 °C Außentemperatur vereinfacht ergibt (20 °C Raumsoll, Niveau 0) und wie gut das zu einer Wärmepumpe passt:
| Neigung | Vorlauf bei −10 °C | Einordnung für die Wärmepumpe |
|---|---|---|
| 0,3 | ca. 29 °C | sehr effizient, typisch für Fußbodenheizung im Neubau |
| 0,4 | ca. 32 °C | sehr effizient, Fußbodenheizung |
| 0,6 | ca. 38 °C | effizient, ältere Fußbodenheizung oder sehr große Heizkörper |
| 0,8 | ca. 44 °C | gut, gut dimensionierte Heizkörper |
| 1,0 | ca. 50 °C | noch gut, typisch für Heizkörper im sanierten Bestand |
| 1,2 | ca. 56 °C | grenzwertig, Heizflächen prüfen |
| 1,4 | ca. 62 °C | für eine Wärmepumpe ungünstig |
Vereinfachte lineare Berechnung. Reale Kennlinien sind herstellerspezifisch, und die Skalen verschiedener Regler sind nicht direkt vergleichbar. Entscheidend ist deshalb immer die tatsächliche Vorlauftemperatur an Ihrer Anlage.
Tipp: Neigung etwas höher, Niveau niedriger
Ein Großteil der Heizstunden fällt auf milde Tage zwischen etwa 0 und 10 °C. Werden die Räume an kalten Tagen gerade warm genug, lohnt sich deshalb ein Versuch: Neigung leicht erhöhen und das Niveau so weit senken, dass der Vorlauf bei Frost gleich bleibt. Dann sinkt die Vorlauftemperatur an milden Tagen, während es bei Kälte so warm bleibt wie vorher.
Beispiel bei 20 °C Raumsoll: Neigung 0,4 mit Niveau 0 ergibt 32 °C Vorlauf bei −10 °C und 24 °C bei +10 °C. Neigung 0,5 mit Niveau −3 K ergibt ebenfalls 32 °C bei −10 °C, aber nur 22 °C bei +10 °C. Wird es in der Übergangszeit danach zu kühl, heben Sie das Niveau wieder um 1 K an.
Eine zu hohe Kurve hat bei Wärmepumpen zwei weitere Nachteile: Gedrosselte Thermostatventile lassen die Anlage häufiger takten, und bei sehr hohen Anforderungen springt eher der elektrische Heizstab ein. Welche Vorlauftemperaturen je nach Gebäude üblich sind, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Vorlauftemperatur.
Welche Heizkurve bei Wärmepumpe mit Heizkörpern?
Mit Heizkörpern liegt die Neigung meist zwischen etwa 0,8 und 1,2. Heizkörper haben weniger Fläche als eine Fußbodenheizung und brauchen deshalb wärmeres Wasser. Wichtiger als der Zahlenwert ist aber die Vorlauftemperatur, die dabei herauskommt: Sie sollte auch an den kältesten Tagen möglichst nicht über etwa 55 °C liegen. Darüber sinkt die Effizienz deutlich.
So finden Sie die richtige Heizkurve für Heizkörper
- Den „Engpass-Raum“ finden: Meist bestimmt ein einzelner Raum mit kleinem Heizkörper oder großer Fensterfläche, wie hoch die Kurve sein muss.
- Thermostate in diesem Raum ganz öffnen: Nur so sehen Sie, ob der Heizkörper bei der eingestellten Kurve ausreicht.
- Kurve schrittweise senken, bis dieser Raum an kalten Tagen gerade noch warm wird.
- Liegt der Vorlauf dann über etwa 55 °C, lohnt sich der Blick auf die Heizflächen statt auf die Heizkurve.
Was tun, wenn die Heizkörper nicht reichen?
Oft muss nicht das ganze Haus umgebaut werden. Häufig reicht es, im Engpass-Raum einen größeren Heizkörper oder einen Wärmepumpen-Heizkörper zu installieren. Danach lässt sich die Heizkurve für alle Räume absenken. Zusätzlich sorgt ein hydraulischer Abgleich dafür, dass jeder Heizkörper die passende Wassermenge erhält. Mehr zur Wärmepumpe im Bestand lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe für Altbau ohne Fußbodenheizung.
Was ist der Fußpunkt in der Heizkurve einer Wärmepumpe?
Der Fußpunkt ist die Vorlauftemperatur, die die Wärmepumpe bei milder Außentemperatur anfordert. Er bildet das untere Ende der Heizkurve. Bei vielen Reglern, etwa bei Buderus und Bosch, bezieht er sich auf eine Außentemperatur von 20 °C. Das obere Ende heißt dort Endpunkt oder Auslegungstemperatur: die Vorlauftemperatur bei der tiefsten Außentemperatur, für die die Anlage ausgelegt ist.
Zwischen diesen beiden Punkten verläuft die Heizkurve. Statt Neigung und Niveau stellen Sie hier also zwei Temperaturen ein:
Bestimmt den Vorlauf an milden Tagen und in der Übergangszeit. Wirkt ähnlich wie das Niveau im unteren Bereich der Kurve.
Bestimmt den Vorlauf an den kältesten Tagen. Zusammen mit dem Fußpunkt ergibt sich daraus die Steilheit der Kurve.
Wie stelle ich den Fußpunkt richtig ein?
- In der Übergangszeit zu warm? Fußpunkt senken. Ein zu hoher Fußpunkt ist eine häufige Ursache für unnötiges Takten an milden Tagen.
- In der Übergangszeit zu kühl? Fußpunkt leicht anheben.
- Erst bei Frost zu kalt? Nicht den Fußpunkt, sondern den Endpunkt anheben.
Als Orientierung liegt der Fußpunkt meist nur wenig über der gewünschten Raumtemperatur, denn bei milder Witterung braucht das Haus kaum noch Wärme. Ändern Sie ihn in kleinen Schritten von etwa 1 Kelvin.
Fußbodenheizung mit Wärmepumpe richtig einstellen
Eine Fußbodenheizung ist die ideale Partnerin der Wärmepumpe. Die große Fläche gibt schon mit niedriger Vorlauftemperatur viel Wärme ab. Damit die Kombination ihr Potenzial ausspielt, kommt es auf diese Einstellungen an:
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Neigung der Heizkurve | etwa 0,2 bis 0,4 im gut gedämmten Haus |
| Vorlauf an kalten Tagen | meist etwa 30 bis 35 °C, im Neubau oft darunter |
| Raumthermostate / Stellantriebe | in den Hauptwohnräumen auf hoher Stufe oder ganz offen |
| Durchfluss am Heizkreisverteiler | per hydraulischem Abgleich auf die einzelnen Räume abstimmen |
| Nachtabsenkung | gering oder ganz aus |
| Beobachtungszeit pro Änderung | mehrere Tage |
Warum die Raumthermostate offen bleiben sollten
Bei einer gut eingestellten Wärmepumpe regelt die Heizkurve die Temperatur, nicht der Stellantrieb. Schließen die Stellantriebe ständig, ist die Kurve zu hoch. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Vorlauftemperatur so niedrig zu wählen, dass es bei voll geöffneten Ventilen gerade warm genug wird. Räume mit geringerem Bedarf wie das Schlafzimmer dürfen gedrosselt bleiben.
Warum eine Nachtabsenkung wenig bringt
Der Estrich speichert viel Wärme und kühlt nachts nur langsam ab. Morgens muss die Wärmepumpe dann mit höherer Vorlauftemperatur nachheizen, was die Ersparnis wieder aufzehren kann. Ein gleichmäßiger Betrieb ist meist effizienter.
Geduld beim Einstellen
Wegen der großen Speichermasse zeigt sich eine Änderung erst nach mehreren Tagen vollständig. Wer täglich nachregelt, findet nie die richtige Einstellung. Weitere Tipps zur Kombination finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe und Fußbodenheizung.
Heizgrenze: Ab welcher Außentemperatur heizt die Wärmepumpe?
Die Heizgrenze legt fest, ab welcher Außentemperatur die Wärmepumpe den Heizbetrieb beendet. Sie gehört zur Heizkurve dazu, denn eine zu hoch eingestellte Heizgrenze lässt die Anlage an milden Tagen laufen, obwohl das Haus kaum Wärme braucht. Das kostet Strom und begünstigt kurze Laufzeiten.
Laut Deutscher Umwelthilfe kann eine Heizgrenze von 20 °C in gut gedämmten Gebäuden auf etwa 15 °C gesenkt werden. Je nach Regler heißt die Einstellung zum Beispiel „Heizgrenze“, „Sommer/Winter-Umschaltung“ oder „AT-Abschaltgrenze“.
- Gut gedämmtes Haus: Heizgrenze eher niedrig wählen und schrittweise prüfen, ob es in der Übergangszeit warm genug bleibt.
- Älteres Haus: Die Heizgrenze liegt meist höher, weil das Gebäude schon bei milderen Temperaturen Wärme verliert.
- An milden Tagen zu kühl? Erst die Heizgrenze prüfen, dann den Fußpunkt beziehungsweise das Niveau.
Heizkurve der Wärmepumpe Schritt für Schritt optimieren
Bei der Wärmepumpe tasten Sie sich am besten von oben nach unten an die optimale Kurve heran:
- Ausgangswerte fotografieren: Neigung oder Fußpunkt und Endpunkt, Raumsoll, Heizgrenze, Zeitprogramme.
- Thermostate in den Hauptwohnräumen öffnen und Absenkzeiten während der Einstellphase pausieren.
- An kalten, sonnenarmen Tagen die Neigung um höchstens etwa 10 % oder das Niveau beziehungsweise den Fußpunkt um etwa 1 K senken.
- Ein bis zwei Tage beobachten, bei Fußbodenheizung länger. Immer denselben, kühlsten Hauptraum als Maßstab nehmen.
- Wiederholen, bis der Raum gerade nicht mehr warm genug wird. Dann den letzten Schritt zurücknehmen.
Was Sie ändern sollten, wenn es nur bei Kälte oder nur in der Übergangszeit nicht passt, erklärt unser Grundlagen-Ratgeber Heizkurve einstellen. Wie sich Neigung und Niveau auf die Vorlauftemperatur auswirken, können Sie im Heizkurven-Rechner ausprobieren.
Expertenmeinung von Heizungsbaumeister Marko Gürtler
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: „Die meisten Wärmepumpen laufen mit einer zu hohen Heizkurve, weil sie zur Sicherheit großzügig eingestellt wurden. Thermostatventile ganz öffnen, die Kurve in kleinen Schritten senken und nach jeder Änderung mindestens einen Tag abwarten. Sobald ein Raum nicht mehr warm wird, einen Schritt zurück. Jedes Grad weniger Vorlauf spart spürbar Strom.“
Fazit: Bei der Wärmepumpe zählt jedes Grad
Die beste Heizkurve für eine Wärmepumpe ist die flachste, mit der alle Hauptwohnräume bei offenen Thermostaten warm werden. Wer sich von oben herantastet und nach jeder Änderung geduldig beobachtet, senkt den Stromverbrauch spürbar, ohne auf Komfort zu verzichten. Reicht ein einzelner Heizkörper dafür nicht aus, ist ein größerer Heizkörper im Engpass-Raum meist die bessere Lösung als eine höhere Kurve für das ganze Haus.
Sie planen eine neue Anlage oder möchten Ihre Heizflächen anpassen? Passende Geräte finden Sie in unserer Kategorie Wärmepumpen, weitere Hintergründe im Wärmepumpen-Ratgeber.
Häufige Fragen zur Heizkurve der Wärmepumpe
Die Heizkurve beschreibt, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe abhängig von der Außentemperatur erzeugt. Je kälter es draußen ist, desto wärmer wird das Heizwasser. Eingestellt wird sie über Neigung und Niveau oder, je nach Regler, über Fußpunkt und Endpunkt.
Das hängt davon ab, wann es zu kühl ist. Ist es bei jedem Wetter gleichmäßig etwas zu kühl, reicht es meist, die Raumsolltemperatur am Regler oder das Niveau leicht anzuheben. Beides verschiebt die Heizkurve parallel nach oben. Wird es nur an kalten Tagen zu kühl, ist die Neigung zu flach. Die Thermostatventile höher zu drehen bringt nichts, wenn sie bereits weit geöffnet sind.
Die Räume werden vor allem an kalten Tagen nicht mehr warm, obwohl die Thermostate voll geöffnet sind. Erhöhen Sie dann die Neigung oder den Endpunkt in einem kleinen Schritt und beobachten Sie ein bis zwei Tage, bei Fußbodenheizung länger.
Die Wärmepumpe erzeugt unnötig warmes Wasser und verbraucht mehr Strom. Typische Anzeichen sind ständig drosselnde Thermostate, zu warme Räume in der Übergangszeit und häufiges Takten. Das treibt den Stromverbrauch der Wärmepumpe nach oben.
In der ersten Heizperiode schrittweise optimieren, danach nur noch bei Bedarf. Nach Sanierungen wie neuen Fenstern, Dämmung oder größeren Heizkörpern lohnt sich eine erneute Prüfung, weil dann oft eine flachere Kurve möglich ist.
Mit dem Raumeinfluss korrigiert die Regelung die Heizkurve anhand der Temperatur in einem Referenzraum, in dem ein Raumfühler oder das Bediengerät hängt. Ist es dort zu warm, senkt sie den Vorlauf, ist es zu kalt, hebt sie ihn an. Das funktioniert nur, wenn der Raum typisch für das ganze Haus ist: keine Sonne auf dem Fühler, kein Kaminofen im Raum, Thermostatventile offen. Bei Fußbodenheizung wirkt der Raumeinfluss wegen der Trägheit nur langsam. Stellen Sie deshalb zuerst die Heizkurve sauber ein und nutzen Sie den Raumeinfluss danach höchstens schwach für die Feinkorrektur.
Der Begriff ist nicht fest definiert. Meist ist die Heizgrenze gemeint: Klassisch beginnt die Heizung zu heizen, wenn die Außentemperatur unter etwa 20 °C fällt. In gut gedämmten Häusern liegt die Heizgrenze aber oft eher bei 15 °C oder darunter, wie die Deutsche Umwelthilfe beschreibt. Lassen Sie die Heizgrenze Ihrer Wärmepumpe deshalb nicht pauschal auf 20 °C, sondern stellen Sie sie so niedrig ein, dass es in der Übergangszeit gerade noch warm genug ist. Mehr dazu im Abschnitt Heizgrenze.
Senken Sie zuerst die Heizkurve, statt Heizkreise am Verteiler zu drosseln oder die Raumthermostate zuzudrehen. Ist es bei jedem Wetter zu warm, senken Sie das Niveau in Schritten von 1 bis 2 K. Ist es vor allem an kalten Tagen zu warm, senken Sie die Neigung um 0,1. Gedrosselte Kreise sparen kaum Strom, weil die Wärmepumpe weiter mit dem zu hohen Vorlauf arbeitet, und sie lassen die Anlage häufiger takten. Im ersten Winter kann ein Neubau wegen der Baufeuchte etwas mehr Wärme brauchen. Prüfen Sie die Einstellung nach der ersten Heizperiode deshalb noch einmal.
Für die Raumheizung ist die Heizkurve besser. Bei einer Festwertregelung liefert die Wärmepumpe immer dieselbe Vorlauftemperatur, unabhängig vom Wetter. An milden Tagen ist das Heizwasser dann wärmer als nötig, und die Effizienz sinkt. Die witterungsgeführte Heizkurve passt den Vorlauf dagegen laufend an die Außentemperatur an. Feste Vorlauftemperaturen sind deshalb nur für Sonderfälle gedacht, nicht für die normale Heizung.
