Kostenlose Beratung: 04621 - 30 60 89 90
Ja, eine Wärmepumpe funktioniert auch ohne Fußbodenheizung, mit ganz normalen Heizkörpern. Entscheidend ist, dass die Heizkörper bei einer Vorlauftemperatur von höchstens 55 °C genug Wärme in jeden Raum bringen. Bei 55 °C gibt ein Heizkörper rund die Hälfte seiner Normleistung ab. Weil viele Heizkörper im Altbau großzügig bemessen wurden, reicht das in den meisten Räumen aus.
In diesem Ratgeber sehen Sie, wie viel Leistung Heizkörper bei niedrigen Temperaturen abgeben, wie Sie Ihre Heizkörper Raum für Raum prüfen, was Sie tun können, wenn einzelne nicht reichen, und wie viel mehr Strom die Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung braucht.
Ja. Der Wärmepumpe ist es egal, ob die Wärme über den Boden oder über Heizkörper in den Raum kommt. Wichtig ist nur die Temperatur, mit der sie das Heizungswasser erwärmen muss. Eine Fußbodenheizung hat eine sehr große Fläche und kommt deshalb mit 30 bis 35 °C aus. Heizkörper sind kleiner und brauchen mehr Temperatur, im Altbau typischerweise 45 bis 55 °C.
Dass das in der Praxis funktioniert, zeigen die Feldmessungen des Fraunhofer ISE: In einem 48 Jahre alten Haus lief eine Wärmepumpe mit den vorhandenen Plattenheizkörpern und rund 45 °C Vorlauf und erreichte eine Jahresarbeitszahl von 3,7. Ob Ihr Haus grundsätzlich geeignet ist, klärt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau mit einem Schnelltest.
Die Leistung auf dem Datenblatt eines Heizkörpers ist die Normleistung bei 75 °C Vorlauf, 65 °C Rücklauf und 20 °C Raumtemperatur. Mit einer Wärmepumpe läuft er kühler und gibt entsprechend weniger Wärme ab:
| Vorlauf / Rücklauf | Anteil der Normleistung (ca.) | Beispiel: Heizkörper mit 2.000 W Normleistung |
|---|---|---|
| 75 / 65 °C (Normleistung) | 100 % | 2.000 W |
| 55 / 45 °C | 50 % | rund 1.000 W |
| 50 / 40 °C | 40 % | rund 800 W |
| 45 / 35 °C | 30 % | rund 600 W |
Das klingt nach wenig, ist es aber oft nicht. Viele Heizkörper im Altbau wurden für ein ungedämmtes Haus und mit viel Reserve ausgelegt. Sind inzwischen Fenster getauscht oder das Dach gedämmt, braucht der Raum deutlich weniger Wärme als damals, und der alte Heizkörper reicht auch bei 50 oder 55 °C.
Fast nie müssen alle Heizkörper getauscht werden. Meist geht es um zwei oder drei Räume. Dafür gibt es mehrere Lösungen:
| Maßnahme | Wann sinnvoll | Aufwand |
|---|---|---|
| Hydraulischer Abgleich und passende Thermostatventile | Räume werden ungleichmäßig warm | gering |
| Größerer Plattenheizkörper, zum Beispiel Typ 33 statt Typ 22 oder länger | Platz unter dem Fenster oder an der Wand vorhanden | gering, Anschlüsse bleiben oft gleich |
| Wärmepumpenheizkörper mit Gebläse | wenig Platz, aber hoher Wärmebedarf im Raum | gering bis mittel, braucht einen Stromanschluss |
| Gebläsekonvektor | sehr hoher Wärmebedarf, zusätzlich Kühlen gewünscht | mittel |
| Wandheizung | Renovierung oder neuer Putz ohnehin geplant | mittel bis hoch |
| Nachträgliche Fußbodenheizung im Fräsverfahren | neuer Bodenbelag ohnehin geplant | hoch |
Welche Heizkörper-Bauarten sich besonders für Wärmepumpen eignen, erklärt der Ratgeber Heizkörper für die Wärmepumpe. Passende Modelle finden Sie in unserer Kategorie Wärmepumpenheizkörper. Wie der Abgleich funktioniert, lesen Sie unter Hydraulischer Abgleich.
Mit Heizkörpern braucht die Wärmepumpe mehr Strom als mit einer Fußbodenheizung, weil sie das Wasser stärker erwärmen muss. Pro Grad weniger Vorlauf sinkt der Verbrauch um bis zu 2,5 %. Das Beispiel zeigt die Größenordnung für ein Haus mit 15.000 kWh Wärmebedarf im Jahr:
| Heizsystem | Vorlauf am kältesten Tag | Jahresarbeitszahl (ca.) | Strom pro Jahr | Stromkosten bei 24 ct/kWh |
|---|---|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 35 °C | 4,6 | ca. 3.260 kWh | ca. 780 € |
| Heizkörper, gut ausgelegt | 50 °C | 3,5 | ca. 4.290 kWh | ca. 1.030 € |
| Heizkörper, knapp ausgelegt | 55 °C | 3,15 | ca. 4.760 kWh | ca. 1.140 € |
Die Jahresarbeitszahlen sind beispielhafte Werte nach Bosch für Luft-Wasser-Wärmepumpen. Der Unterschied zwischen 50 und 55 °C zeigt, warum sich der Tausch einzelner zu kleiner Heizkörper lohnt. Mehr dazu in den Ratgebern Vorlauftemperatur der Wärmepumpe und Wärmepumpe Stromverbrauch.
Reichen Ihrem Haus 55 °C, genügt eine normale Luft-Wasser-Wärmepumpe. Braucht es mehr, kommen Geräte mit dem Kältemittel R290 infrage, die 70 °C und mehr erreichen. Bei so hohen Temperaturen steigt allerdings der Stromverbrauch deutlich. Wichtig ist außerdem eine gute Modulation, damit die Wärmepumpe in der Übergangszeit nicht ständig taktet.
Konkrete Geräte für Bestandsgebäude vergleicht der Ratgeber Beste Wärmepumpe für den Altbau. Wann eine Kombination mit dem vorhandenen Gaskessel sinnvoller ist, lesen Sie unter Hybrid-Wärmepumpe.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Altbau inklusive Einbau meist 20.000 bis 35.000 €. Ohne Fußbodenheizung kommen nur die Kosten für die Heizkörper hinzu, die tatsächlich getauscht werden müssen. Eine nachträgliche Fußbodenheizung ist dagegen deutlich teurer und lohnt sich meist nur, wenn ohnehin neue Böden geplant sind.
Neue Heizkörper, die zusammen mit der Wärmepumpe eingebaut werden, zählen bei der KfW-Heizungsförderung zu den förderfähigen Kosten. Der Zuschuss beträgt 30 bis 70 %, bei niedrigem Einkommen bis zu 80 %, für höchstens 28.000 € Kosten in der ersten Wohneinheit. Alle Details stehen in den Ratgebern Wärmepumpe Förderung und Wärmepumpe Kosten.
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Wenn mich Kunden fragen, ob sie für die Wärmepumpe eine Fußbodenheizung brauchen, lautet meine Antwort fast immer: Nein, aber wir schauen uns jeden Raum an. In den meisten Häusern sind es zwei oder drei Heizkörper, die nicht reichen. Die tauschen wir gezielt, und der Rest bleibt. Das ist günstiger als jede Fußbodenheizung und senkt die Vorlauftemperatur für das ganze Haus.
Jetzt kostenlose Wärmepumpen-Beratung anfragen · Mehr über unsere Experten bei UNIDOMO
Ja, oft sogar besonders. Eine Erdwärmepumpe holt ihre Wärme aus dem Boden, der auch im Winter etwa 8 bis 12 °C warm ist. Dadurch erreicht sie mit Heizkörpern bei 50 bis 55 °C eine höhere Jahresarbeitszahl als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Im Feldtest des Fraunhofer ISE lagen Erdwärmepumpen im Bestand im Mittel bei 4,3, Luft-Wasser-Geräte bei 3,4. Dafür kosten Bohrung oder Kollektor deutlich mehr.
Oft besser als gedacht. Alte Gliederheizkörper aus Guss sind häufig groß und wurden mit viel Reserve eingebaut. Entscheidend ist nicht das Material, sondern ob ihre Fläche bei niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme liefert.
Mit normalen Heizkörpern kaum. Ihre Fläche ist zu klein, und an kalten Oberflächen bildet sich schnell Kondenswasser. Gebläsekonvektoren und einige Wärmepumpenheizkörper mit Gebläse können dagegen kühlen, wenn die Wärmepumpe dafür ausgelegt ist.
Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 12.10.2026
© Copyright 2026 | Alle Rechte vorbehalten.