Wärmepumpe mit Photovoltaik: Lohnt sich die Kombination und wie steuert man sie richtig?

Eine Wärmepumpe mit Photovoltaik zu kombinieren lohnt sich in den meisten Einfamilienhäusern, aber anders als oft versprochen. Die PV-Anlage deckt übers Jahr meist nur 20 bis 35 % des Wärmepumpenstroms, weil die Sonne dann am meisten liefert, wenn kaum geheizt wird. Wirtschaftlich zählt deshalb vor allem, wie viel Solarstrom Sie insgesamt selbst nutzen und wie gut Wärmepumpe und PV-Anlage miteinander gesteuert werden.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie viel Solarstrom tatsächlich in die Wärmepumpe fließt, was er wert ist, wie Sie beide Anlagen über SG Ready oder einen Energiemanager koppeln und wie groß PV-Anlage und Batteriespeicher sein sollten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Deckungsanteil: Je nach Haus, PV-Größe und Steuerung deckt die PV-Anlage meist 20 bis 35 % des Wärmepumpenstroms.
  • Wert des Solarstroms: Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den Strompreis abzüglich der entgangenen Einspeisevergütung von rund 7,7 ct.
  • Steuerung: Über SG Ready oder einen Energiemanager heizt die Wärmepumpe bei Sonnenüberschuss Warmwasser und Haus gezielt vor.
  • PV-Größe: Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe sind 8 bis 12 kWp üblich. Eine größere Anlage hilft im Winter nur wenig.

Kann eine Wärmepumpe direkt mit Solarstrom laufen?

Ja, die Wärmepumpe nutzt den Solarstrom automatisch, sobald die PV-Anlage gerade mehr erzeugt, als im Haus verbraucht wird. Technisch ist dafür nichts Besonderes nötig: Beide Anlagen hängen am selben Hausnetz, der Strom fließt dorthin, wo er gebraucht wird. Reicht der Solarstrom nicht aus, kommt der Rest aus dem Netz.

Ganz ohne Netz funktioniert die Kombination dagegen nicht. An einem trüben Januartag liefert eine 10-kWp-Anlage oft nur wenige Kilowattstunden, während die Wärmepumpe an kalten Tagen 20 bis 30 kWh braucht. Der Netzanschluss bleibt deshalb immer Pflicht, und die Wärmepumpe muss beim Netzbetreiber angemeldet werden. Was dabei zu beachten ist, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Stromanschluss.

Kurz erklärt: Eigenverbrauch ist der Anteil des Solarstroms, den Sie selbst nutzen, statt ihn einzuspeisen. Autarkie ist der Anteil Ihres Strombedarfs, den die PV-Anlage deckt. Eine Wärmepumpe erhöht vor allem den Eigenverbrauch, weil sie zusätzliche Abnehmer für den Solarstrom schafft.

Wie viel Wärmepumpenstrom kann die PV-Anlage decken?

Das Problem der Kombination liegt im Kalender: Die PV-Anlage liefert gut 70 % ihres Jahresertrags zwischen April und September. Die Wärmepumpe braucht dagegen rund drei Viertel ihres Stroms in der Heizperiode von Oktober bis März. Die Grafik zeigt, wie wenig sich beide Kurven überschneiden.

Solarertrag und Stromverbrauch der Wärmepumpe im Jahresverlauf Balkendiagramm mit typischen Monatsanteilen in Prozent. Die Photovoltaikanlage liefert von April bis August jeweils 11 bis 13 Prozent ihres Jahresertrags, im Dezember und Januar nur 3 Prozent. Die Wärmepumpe verbraucht im Januar 16 und im Dezember 14 Prozent ihres Jahresstroms, im Sommer nur 3 Prozent. Anteil am Jahreswert je Monat (typische Werte, gerundet) Solarertrag der PV-Anlage Stromverbrauch der Wärmepumpe 3 16 Jan 5 14 Feb 8 12 Mär 11 7 Apr 13 4 Mai 13 3 Jun 13 3 Jul 12 3 Aug 9 4 Sep 6 8 Okt 4 12 Nov 3 14 Dez
Typische Monatsanteile für ein saniertes Einfamilienhaus mit Luft-Wasser-Wärmepumpe und einer nach Süden ausgerichteten PV-Anlage. Beispielwerte von UNIDOMO, die Verteilung in Ihrem Haus hängt von Dämmung, Warmwasserbedarf und Dach ab.

Im Sommer bereitet die Wärmepumpe nur Warmwasser und kann den Solarstrom fast vollständig nutzen, braucht aber wenig. Im Winter braucht sie viel, bekommt aber kaum Solarstrom. Entsprechend begrenzt ist der Anteil, den die PV-Anlage übers Jahr deckt:

AnlageAnteil des Wärmepumpenstroms aus PVQuelle
PV-Anlage mit 8 oder 16 kWp, Einfamilienhaus Baujahr 1960, je nach Sanierungsstand und Regelungetwa 15 bis 40 %Simulation des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU)
PV-Anlage 12 kWp mit Batterie und PV-Steuerung, Einfamilienhaus Baujahr 1960rund 36 %Feldmessung Fraunhofer ISE

Wie viel Strom Ihre Wärmepumpe insgesamt braucht und wie er sich über die Monate verteilt, können Sie im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch selbst berechnen.

Lohnt sich eine Wärmepumpe mit Photovoltaik?

Ob sich die Kombination lohnt, entscheidet der Wert jeder selbst genutzten Kilowattstunde. Er ergibt sich nicht aus den Erzeugungskosten der PV-Anlage, sondern aus dem Strom, den Sie damit ersetzen, abzüglich der Einspeisevergütung, auf die Sie verzichten. Für neue Anlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung beträgt sie seit dem 01.08.2026 rund 7,7 ct pro kWh.

Solarstrom ersetztStrompreisentgangene EinspeisevergütungErsparnis je kWh
Haushaltsstrom37 ct7,7 ctrund 29 ct
Wärmepumpentarif24 ct7,7 ctrund 16 ct

Beispiel: Die Wärmepumpe in einem sanierten Einfamilienhaus verbraucht rund 4.400 kWh Strom im Jahr. Deckt die PV-Anlage davon ein Viertel, sind das rund 1.100 kWh. Ersetzt der Solarstrom Haushaltsstrom, sparen Sie damit rund 320 € im Jahr. Ersetzt er günstigeren Wärmepumpenstrom, sind es rund 180 €.

Wichtig: Wie viel Sie sparen, hängt stark vom Zählerkonzept ab. Läuft die Wärmepumpe über den Haushaltszähler, nutzt sie den Solarstrom direkt, zahlt für den restlichen Netzstrom aber den teureren Haushaltspreis. Mit einem eigenen Wärmepumpenzähler ist der Netzstrom günstiger, der Solarstrom erreicht die Wärmepumpe aber nur über eine Kaskadenschaltung. Welche Lösung zu Ihrem Haus passt, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Stromanschluss. Die Tarife selbst vergleicht der Ratgeber Wärmepumpenstromtarif.

Der größere Hebel liegt meist beim übrigen Haushaltsstrom: Waschmaschine, Kühlschrank, Kochen und ein E-Auto nutzen den Solarstrom das ganze Jahr. Die Wärmepumpe kommt als zusätzlicher Verbraucher dazu und hebt den Eigenverbrauch vor allem in Frühjahr und Herbst. Deshalb lohnt sich die PV-Anlage in einem Haus mit Wärmepumpe meist schneller als ohne.

Die PV-Anlage rechnet sich über den gesamten Hausverbrauch, nicht über die Wärmepumpe allein.
Mehr Verbraucher am Tag → mehr Eigenverbrauch → kürzere Amortisation

Steuerung: Wie koppelt man Wärmepumpe und PV-Anlage?

Ohne Steuerung läuft die Wärmepumpe, wann sie Wärme braucht, also oft morgens und abends. Mit einer Kopplung an die PV-Anlage verschiebt sie einen Teil ihrer Laufzeit in die Mittagsstunden. Dafür gibt es drei Wege:

KopplungSo funktioniert sieGeeignet für
SG-Ready-SchnittstelleWechselrichter oder Energiemanager schalten über einen Kontakt in der Wärmepumpe den Betriebszustand um, sobald genug Überschuss da ist.fast alle neueren Wärmepumpen, einfacher Einstieg
Energiemanager des HerstellersWärmepumpe, Wechselrichter und Speicher kommen aus einem System. Die Leistung der Wärmepumpe wird an den aktuellen Überschuss angepasst.Neuanlagen, bei denen PV und Wärmepumpe zusammen geplant werden
herstellerübergreifendes Energiemanagement (HEMS)Ein zentrales Gerät steuert Wärmepumpe, Wallbox und Speicher über Schnittstellen wie Modbus oder EEBus.Häuser mit mehreren großen Verbrauchern, etwa einem E-Auto

Bei der SG-Ready-Schnittstelle kennt die Wärmepumpe vier Betriebszustände. Für die PV-Kopplung ist vor allem Zustand 3 wichtig:

SG-Ready-ZustandBedeutung
1: SperreDie Wärmepumpe wird vom Netzbetreiber gesperrt oder gedrosselt.
2: NormalbetriebDie Wärmepumpe arbeitet nach ihren normalen Einstellungen.
3: EinschaltempfehlungEs ist Solarüberschuss da. Die Wärmepumpe erhöht die Solltemperaturen, etwa für Warmwasser oder Raumtemperatur.
4: EinschaltbefehlDie Wärmepumpe läuft mit erhöhten Sollwerten, soweit die Regelung es zulässt.

In der Praxis bedeutet Zustand 3: Die Wärmepumpe lädt den Warmwasserspeicher auf eine höhere Temperatur, heizt die Räume um 1 bis 2 Grad vor oder lädt einen Pufferspeicher. Das Haus speichert den Solarstrom so als Wärme und kommt abends länger ohne Netzstrom aus. Wann sich dafür ein zusätzlicher Pufferspeicher lohnt, lesen Sie im Ratgeber Wärmepumpe Pufferspeicher.

Wichtig: Höhere Temperaturen kosten Effizienz. In einer Feldmessung des Fraunhofer ISE sank die Effizienz der Wärmepumpe durch das solare Vorheizen beim Warmwasser um rund 6 % und bei der Heizung um rund 4 %. Das lohnt sich nur, solange dafür echter Überschuss genutzt wird. Die Regelung sollte deshalb erst ab einem Überschuss schalten, der die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe sicher abdeckt.

Besonders gut passen modulierende Geräte, weil sie ihre Leistung an den Überschuss anpassen, statt nur ein- und auszuschalten. Mehr dazu im Ratgeber Inverter-Wärmepumpe. Einen Heizstab mit Solarstrom zu betreiben ist dagegen nur die letzte Stufe, wenn die Wärmepumpe selbst nichts mehr aufnehmen kann, siehe Heizstab bei der Wärmepumpe. Passende Energiemanager und Energiezähler finden Sie im Shop unter Photovoltaik-Zubehör.

Unabhängig von der PV-Kopplung darf der Netzbetreiber neue Wärmepumpen nach §14a EnWG bei Netzengpässen auf 4,2 kW drosseln. Das läuft über eine eigene Steuerung und hat mit dem Solarbetrieb nichts zu tun. Details erklärt der Ratgeber EVU-Sperre bei der Wärmepumpe.

Wie groß sollte die PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein?

Eine PV-Anlage in Deutschland erzeugt pro kWp Leistung rund 900 bis 1.000 kWh im Jahr. Als Orientierung gilt: Die Anlage sollte mindestens so viele kWp haben, wie das Haus insgesamt Megawattstunden Strom verbraucht. Haushaltsstrom und Wärmepumpe werden dafür zusammengerechnet.

HausStromverbrauch WärmepumpeGesamtverbrauch mit 3.500 kWh Haushaltsstromempfohlene PV-Größe
Neubaurund 2.000 kWhrund 5.500 kWh6 bis 8 kWp
saniertes Einfamilienhausrund 4.400 kWhrund 7.900 kWh8 bis 12 kWp
unsanierter Altbaurund 8.900 kWhrund 12.400 kWh12 kWp und mehr

Größer zu bauen lohnt sich vor allem, wenn ein E-Auto dazukommt oder das Dach ohnehin Platz bietet. Für die Wärmepumpe im Winter bringt eine größere Südanlage dagegen wenig, weil der zusätzliche Ertrag überwiegend im Sommer anfällt. Mehr Winterstrom liefern:

  • steilere Module: Ein Neigungswinkel von 45 bis 60 Grad nutzt die tief stehende Wintersonne besser.
  • Ost-West-Dächer: Sie verteilen den Ertrag über den Tag und erhöhen den Eigenverbrauch morgens und abends.
  • Fassadenmodule: Senkrecht montiert liefern sie im Winter vergleichsweise viel und im Sommer wenig.

Batteriespeicher: Wie groß ist sinnvoll?

Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend. In der Feldmessung des Fraunhofer ISE deckten PV-Anlage und Batterie zusammen rund 36 % des Wärmepumpenstroms. Im Hochwinter bleibt er allerdings oft leer, weil kaum Überschuss da ist. Als Faustformel gilt: 1 bis 1,5 kWh nutzbare Speicherkapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch und höchstens 1 kWh Speicher je kWp PV-Leistung. Für das sanierte Einfamilienhaus aus der Tabelle sind das etwa 8 bis 12 kWh. Passende Geräte finden Sie im Shop unter Stromspeicher.

Gut zu wissen: Ein Warmwasser- oder Pufferspeicher speichert Solarstrom als Wärme und ist pro Kilowattstunde deutlich günstiger als eine Batterie. Eine Batterie kann den Strom dafür für alle Verbraucher im Haus bereitstellen. Welche Speicher es auf der Wärmeseite gibt, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Speicher.

Luft- oder Erdwärmepumpe: Was passt besser zur Photovoltaik?

Beide Bauarten lassen sich gleich gut mit einer PV-Anlage koppeln. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe hat aber einen kleinen Zusatzvorteil: Mittags ist die Außenluft meist am wärmsten, sodass sie genau dann am effizientesten arbeitet, wenn der Solarstrom fließt. Aus jeder Kilowattstunde Solarstrom macht sie dann mehr Wärme als nachts.

Eine Erdwärmepumpe arbeitet über den Tag gleichmäßiger und braucht insgesamt weniger Strom. Dadurch ist auch die Ersparnis durch Solarstrom kleiner, die Grundkosten liegen aber schon niedriger. Wie sich die Bauarten insgesamt unterscheiden, zeigt der Wärmepumpen-Vergleich.

Was kosten PV-Anlage und Speicher zusätzlich zur Wärmepumpe?

Die Preise für PV-Anlagen und Batteriespeicher sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Für Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden fällt zudem keine Mehrwertsteuer an. Diese Richtwerte gelten für ein Einfamilienhaus inklusive Montage:

KomponenteRichtpreis 2026
PV-Anlage 10 kWprund 10.000 bis 13.000 €
Batteriespeicher 10 kWhrund 4.000 bis 8.000 €
Energiemanager oder SG-Ready-Anbindungrund 150 bis 1.000 €

Was die Wärmepumpe selbst kostet, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Kosten. Für die Wärmepumpe gibt es einen staatlichen Zuschuss, eine PV-Anlage ist dafür keine Voraussetzung. Die Bedingungen erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Förderung.

Gut zu wissen: Die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen soll nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung ab 2027 entfallen (Stand Oktober 2026, noch nicht beschlossen). Für bestehende Anlagen gilt der Vergütungssatz weiter, der bei der Inbetriebnahme galt. Je weniger die Einspeisung bringt, desto wichtiger wird ein hoher Eigenverbrauch, und genau dabei hilft die Wärmepumpe.
Marko Gürtler, Heizungsbaumeister und Wärmepumpen-Experte bei UNIDOMO

Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Planen Sie Wärmepumpe und PV-Anlage am besten gemeinsam, auch wenn die PV erst später kommt. Achten Sie beim Kauf der Wärmepumpe auf eine SG-Ready-Schnittstelle und lassen Sie das Zählerkonzept vorab mit Ihrem Elektriker klären. Die meiste Ersparnis bringt erfahrungsgemäß der Warmwasserspeicher: Wird er mittags mit Solarstrom geladen, läuft die Wärmepumpe im Sommer fast nur mit eigenem Strom.

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Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 12.10.2026