SCOP Wärmepumpe: Was der Wert bedeutet und was ein guter SCOP ist
Der SCOP steht in fast jedem Datenblatt einer Wärmepumpe. Er beschreibt, wie effizient ein Gerät über eine ganze Heizperiode arbeitet, und ist damit aussagekräftiger als der COP aus einem einzelnen Prüfpunkt. Trotzdem ist er ein Rechenwert unter Normbedingungen. Hier erfahren Sie, wie der SCOP entsteht, welcher Wert gut ist, warum es zwei SCOP-Werte für 35 und 55 °C gibt, wie er mit ETAs und Energielabel zusammenhängt und warum Ihre Anlage im Alltag meist darunter liegt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- SCOP heißt Seasonal Coefficient of Performance, also jahreszeitbedingte Leistungszahl. Er gibt an, wie viele kWh Wärme die Wärmepumpe über eine Heizperiode aus einer kWh Strom macht.
- Berechnet wird er nach der Norm EN 14825 für ein Referenzklima, in Deutschland meist das „durchschnittliche Klima“.
- Zwei Werte: SCOP bei 35 °C Vorlauf für Fußbodenheizung und bei 55 °C für Heizkörper. Der Wert bei 55 °C liegt deutlich niedriger.
- Orientierung: Eine aktuelle Luft-Wasser-Wärmepumpe wie die Viessmann Vitocal 250-A erreicht laut Datenblatt bei 35 °C einen SCOP von 4,5 bis 5,0, bei 55 °C von 3,3 bis 3,9.
- Für Ihre Kosten zählt die gemessene Jahresarbeitszahl. Sie liegt meist unter dem SCOP.
Was ist der SCOP bei einer Wärmepumpe?
Der SCOP ist das Verhältnis von abgegebener Heizwärme zu aufgenommenem Strom über ein ganzes Jahr. Ein SCOP von 4,5 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden im Jahresmittel 4,5 kWh Wärme. Anders als der COP, der nur einen einzigen Betriebspunkt beschreibt, fasst der SCOP mehrere Prüfpunkte zusammen. Er berücksichtigt:
- unterschiedliche Außentemperaturen über die Heizperiode, gewichtet nach ihrer Häufigkeit
- den Teillastbetrieb an milden Tagen
- den Strom für einen Heizstab an sehr kalten Tagen
- den Verbrauch im Bereitschafts- und Aus-Zustand
Nicht enthalten ist die Warmwasserbereitung. Sie wird in der Norm getrennt bewertet.
Durchschnittliches, kälteres und wärmeres Klima
Die Norm kennt drei Referenzklimate. In Datenblättern für Deutschland ist fast immer das durchschnittliche Klima angegeben.
| Referenzklima | Bezugsort | Auslegungstemperatur |
|---|---|---|
| durchschnittlich (average) | Straßburg | −10 °C |
| kälter (colder) | Helsinki | −22 °C |
| wärmer (warmer) | Athen | +2 °C |
Vergleichen Sie Geräte deshalb immer im selben Klima. Ein SCOP für wärmeres Klima ist deutlich höher und für Deutschland nicht aussagekräftig.
SCOP, COP und JAZ: der Unterschied
| Kennzahl | Was sie beschreibt | Woher sie kommt | Wofür |
|---|---|---|---|
| COP | Effizienz in einem festen Prüfpunkt, zum Beispiel A7/W35 | Labormessung | Momentaufnahme im Datenblatt |
| SCOP | Effizienz über eine Heizperiode im Referenzklima | Rechnung aus mehreren Prüfpunkten | Geräte vergleichen |
| ETAs (ηs) | saisonale Effizienz in Prozent, aus dem SCOP abgeleitet | Rechnung | Energielabel |
| JAZ | tatsächliche Effizienz Ihrer Anlage über ein Jahr | Messung mit Strom- und Wärmemengenzähler | Stromkosten und Bewertung der eigenen Anlage |
Die Grafik zeigt, warum der Unterschied wichtig ist. Die Werte stammen aus dem Datenblatt einer aktuellen Luft-Wasser-Wärmepumpe und aus dem Feldtest des Fraunhofer ISE:
Die Jahresarbeitszahl liegt meist unter dem SCOP, weil im echten Betrieb Warmwasser, die tatsächliche Vorlauftemperatur, Abtauen und Einstellungen dazukommen. Wie Sie die JAZ Ihrer Anlage ermitteln, erklärt der Ratgeber Jahresarbeitszahl.
COP zeigt einen Moment → SCOP zeigt ein Normjahr → JAZ zeigt Ihr Jahr
Was ist ein guter SCOP-Wert?
Ein guter SCOP hängt vor allem von der Vorlauftemperatur ab. Deshalb nennen Datenblätter zwei Werte. Als Beispiel die Werte der Viessmann Vitocal 250-A (230-V-Geräte, durchschnittliches Klima):
| Baugröße | SCOP 35 °C | ηs 35 °C | SCOP 55 °C | ηs 55 °C |
|---|---|---|---|---|
| 04 | 4,6 | 180 % (A+++) | 3,3 | 130 % (A++) |
| 06 | 4,7 | 183 % (A+++) | 3,6 | 141 % (A++) |
| 08 | 4,5 | 176 % (A+++) | 3,6 | 140 % (A++) |
| 10 | 5,01 | 197 % (A+++) | 3,87 | 152 % (A+++) |
Bei 55 °C liegt der SCOP hier etwa 20 bis 30 % unter dem Wert bei 35 °C. Für ein Haus mit Heizkörpern ist deshalb der Wert bei 55 °C der richtige Vergleichsmaßstab, für eine Fußbodenheizung der Wert bei 35 °C.
SCOP, ETAs und Energielabel
Aus dem SCOP wird die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz ηs berechnet, kurz ETAs. Sie ist in Prozent angegeben und bestimmt die Effizienzklasse auf dem Energielabel. Die Formel für Luft-Wasser-Wärmepumpen:
Beispiel: SCOP 4,5 → 4,5 ÷ 2,5 × 100 % = 180 % → minus 3 % = 177 %
Der Faktor 2,5 rechnet den Strom in Primärenergie um, damit sich Wärmepumpen mit Gas- oder Ölheizungen vergleichen lassen. Die 3 Prozentpunkte werden für die Temperaturregelung abgezogen. Bei Sole- und Wasser-Wärmepumpen kommt ein weiterer Abzug für die Pumpen der Wärmequelle hinzu. Im Beispiel der Vitocal 250-A in Baugröße 08 steht im Datenblatt ein ηs von 176 %, die kleine Abweichung entsteht durch Rundung des SCOP. Was ETAs-Werte und Effizienzklassen im Einzelnen bedeuten, erklärt der Ratgeber ETAs Wärmepumpe.
Wärmepumpen per SCOP richtig vergleichen
| Prüfen Sie | Warum |
|---|---|
| gleiche Vorlauftemperatur | Ein SCOP bei 35 °C ist mit einem Wert bei 55 °C nicht vergleichbar. |
| gleiches Referenzklima | Für Deutschland das durchschnittliche Klima verwenden. |
| passende Baugröße | Innerhalb einer Serie unterscheidet sich der SCOP je nach Leistung. |
| Quelle | Die Werte stehen im Produktdatenblatt nach EU-Vorgabe, das zu jedem Gerät gehört. |
| Mindestleistung | Ein hoher SCOP hilft wenig, wenn das Gerät für Ihr Haus zu groß ist und taktet. |
Wie wichtig die kleinste Leistung ist, erklärt der Ratgeber Inverter-Wärmepumpe. Einen Vergleich aktueller Modelle finden Sie im Ratgeber Top 5 Wärmepumpen. Geräte und Datenblätter finden Sie in der Kategorie Luft-Wasser-Wärmepumpen und bei den Marken Viessmann, Vaillant, Bosch und Buderus.
Kann man den SCOP selbst berechnen?
Nicht sinnvoll. Für den SCOP misst der Hersteller die Wärmepumpe bei mehreren festgelegten Außentemperaturen und Teillaststufen. Diese Werte werden mit der Häufigkeit der Temperaturen im Referenzklima gewichtet und zu einem Jahreswert verrechnet. Die Messdaten dafür liegen nur dem Hersteller vor.
Was Sie selbst ausrechnen können, ist die Jahresarbeitszahl Ihrer Anlage: Wärmemenge geteilt durch Stromverbrauch über ein Jahr. Dafür gibt es den JAZ-Rechner.
SCOP und SEER bei Klimaanlagen
Auch bei Klimaanlagen und Luft-Luft-Wärmepumpen steht der SCOP auf dem Energielabel. Dort beschreibt er die Effizienz im Heizbetrieb. Für das Kühlen gibt es den SEER, die jahreszeitbedingte Kühlleistungszahl. Je höher beide Werte, desto sparsamer arbeitet das Gerät. Die Werte von Klimaanlagen lassen sich aber nicht direkt mit dem SCOP einer Luft-Wasser-Wärmepumpe vergleichen, weil Prüfbedingungen und Wärmeabgabe verschieden sind.
Auch Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Kühlfunktion haben einen SEER, getrennt für Flächenkühlung (W18) und Gebläsekonvektoren (W7). Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe kühlen. Geräte finden Sie in den Kategorien Klimaanlagen und Luft-Luft-Wärmepumpen.
Grenzen des SCOP
- Normklima statt Ihr Standort: Ein Haus im Mittelgebirge hat mehr kalte Tage als das Referenzklima.
- Kein Warmwasser: Die Warmwasserbereitung mit hohen Temperaturen senkt die Effizienz im Alltag, ist im SCOP aber nicht enthalten.
- Keine Hydraulik: Fehlender hydraulischer Abgleich, eine zu hohe Heizkurve oder Takten tauchen im SCOP nicht auf.
- Fester Vorlauf: Der SCOP gilt für 35 oder 55 °C. Braucht Ihr Haus dazwischen oder darüber, liegt der reale Wert entsprechend anders.
Wie Sie die Effizienz Ihrer Wärmepumpe im Betrieb verbessern, lesen Sie im Ratgeber Wirkungsgrad der Wärmepumpe.
Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Wenn Sie Heizkörper haben, vergleichen Sie Wärmepumpen immer mit dem SCOP bei 55 °C, nicht mit dem schöneren Wert bei 35 °C. Und lassen Sie sich nicht von Unterschieden in der zweiten Nachkommastelle leiten. Eine richtig dimensionierte Anlage mit niedriger Heizkurve bringt im Alltag deutlich mehr als ein paar Hundertstel im Datenblatt.
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Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 19.10.2026
