Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Konzepte, Kosten und Förderung

Eine Wärmepumpe kann auch ein Mehrfamilienhaus beheizen, im Neubau ebenso wie im Bestand mit Heizkörpern. Anders als im Einfamilienhaus geht es dabei um mehr Leistung, um Warmwasser für viele Haushalte und um Fragen der Abrechnung und Beschlussfassung. Je nach Größe des Hauses arbeiten eine große Wärmepumpe, mehrere Geräte im Verbund (Kaskade) oder eine Hybridlösung mit Gaskessel.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welches Konzept zu Ihrem Haus passt, wie viel Leistung nötig ist, warum das Warmwasser die größte Herausforderung ist und mit welchen Kosten und Fördersummen Eigentümer und Eigentümergemeinschaften rechnen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Konzept: Bis etwa 20 kW reicht oft ein Gerät. Darüber arbeiten meist zwei oder mehr Wärmepumpen in Kaskade, bei sehr hohen Vorlauftemperaturen auch eine Hybridlösung.
  • Warmwasser: In größeren Anlagen muss das Warmwasser mit 60 °C bereitet werden. Das senkt die Effizienz, Wohnungsstationen können das umgehen.
  • Kosten: Angebote für Häuser mit 3 bis 8 Wohnungen lagen 2025 und 2026 bei rund 43.000 bis 133.000 €, meist 8.000 bis 20.000 € je Wohnung.
  • Förderung: Förderfähig sind 28.000 € für die erste Wohnung, je 15.000 € für die zweite bis sechste und je 8.000 € ab der siebten. Für vermietete Wohnungen gibt es 30 %.

Zentral, Kaskade oder dezentral: Welches Konzept passt zum Mehrfamilienhaus?

Ob eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus funktioniert, hängt weniger vom Gebäudetyp ab als davon, wie heute geheizt wird. Mit einer Zentralheizung ist der Umstieg am einfachsten, weil Leitungen und Heizkörper bleiben können. Bei Gasetagenheizungen ist der Umbau aufwendiger.

KonzeptSo funktioniert esPasst zu
Eine zentrale Wärmepumpeein Gerät ersetzt den Zentralkessel und versorgt alle Wohnungenkleinen Mehrfamilienhäusern bis etwa 20 kW Heizlast
Kaskadezwei oder mehr Wärmepumpen teilen sich die Last und schalten je nach Bedarf zugrößeren Häusern, fällt ein Gerät aus, heizen die anderen weiter
HybridlösungWärmepumpe für die Grundlast, Gaskessel für sehr kalte TageHäusern mit sehr hohen Vorlauftemperaturen oder großer Heizlast, siehe Hybrid-Wärmepumpe
Dezentral je Wohnungjede Wohnung bekommt eine eigene kleine WärmepumpeHäusern mit Etagenheizungen, wenn eine zentrale Verteilung zu aufwendig wäre

Ein Beispiel aus dem Sortiment: Für kleine Mehrfamilienhäuser mit 3 bis 4 Wohnungen reicht oft eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit rund 14 kW wie die Buderus Logatherm WLW186i AR. Für größere Häuser lassen sich Geräte wie die Buderus Logatherm WLW196i zu einer Kaskade verbinden.

Die dezentrale Lösung braucht für jede Wohnung einen Platz für das Außengerät und einen eigenen Stromanschluss, das ist in vielen Häusern schwierig. Häufiger wird beim Ersatz von Etagenheizungen deshalb eine neue zentrale Wärmepumpe mit Leitungen zu den Wohnungen geplant. Wie Etagenheizungen funktionieren und was sie kosten, zeigt der Ratgeber Etagenheizung.

Ob die vorhandenen Heizkörper reichen, lässt sich wie im Einfamilienhaus mit dem 55-Grad-Test prüfen. Wie er funktioniert und in welchen Fällen eine Wärmepumpe an ihre Grenzen kommt, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.

Welche Leistung braucht eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus?

Die nötige Leistung ergibt sich aus der Heizlast nach DIN EN 12831. Als erste Orientierung helfen die gleichen Richtwerte je Quadratmeter wie im Einfamilienhaus:

WohnflächeNeubau (30 bis 40 W/m²)saniert (50 bis 70 W/m²)unsaniert (90 bis 120 W/m²)
300 m², etwa 4 Wohnungen9 bis 12 kW15 bis 21 kW27 bis 36 kW
600 m², etwa 8 Wohnungen18 bis 24 kW30 bis 42 kW54 bis 72 kW
1.000 m², etwa 12 bis 14 Wohnungen30 bis 40 kW50 bis 70 kW90 bis 120 kW

Heizlast ohne Warmwasser. Für die Warmwasserbereitung kommt je nach Speicherkonzept Leistung hinzu.

Schon ab mittleren Häusern wird deshalb meist eine Kaskade geplant. Sie arbeitet in der Übergangszeit mit nur einem Gerät und vermeidet so das Takten, das eine einzelne große Wärmepumpe bei geringer Last hätte. Wie die Leistung genau bestimmt wird, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe dimensionieren. Den Strombedarf mehrerer Geräte muss der Hausanschluss tragen, siehe Wärmepumpe Stromanschluss.

Warmwasser im Mehrfamilienhaus: die größte Herausforderung

Im Ein- und Zweifamilienhaus gibt es für die Warmwassertemperatur keine feste Vorgabe, empfohlen werden 55 bis 60 °C. In Mehrfamilienhäusern ist die Anlage meist größer: Ab einem Speicher von mehr als 400 Litern oder mehr als 3 Litern Wasser in der Leitung zur entferntesten Zapfstelle gilt sie als Großanlage. Dann muss das Wasser den Speicher nach den technischen Regeln mit mindestens 60 °C verlassen, um Legionellen vorzubeugen.

Für die Wärmepumpe ist das ungünstig. Das Umweltbundesamt zeigt an einem Beispiel, dass die Jahresarbeitszahl für das Warmwasser von 3,2 auf 2,2 sinkt, wenn die Temperatur von 48 auf 60 °C steigt und eine Zirkulation läuft. Es gibt aber Lösungen:

  • Wohnungsstationen (Frischwasserstationen): Das Warmwasser wird erst in der Wohnung aus Heizungswasser erzeugt. Das Trinkwasservolumen bleibt klein, niedrigere Temperaturen sind möglich.
  • Dezentrale Durchlauferhitzer: Sinnvoll bei weiten Wegen und geringem Bedarf, bei hohem Verbrauch aber teuer im Betrieb.
  • Getrennte Temperaturniveaus: Die Heizung läuft mit niedrigem Vorlauf, nur der Warmwasserspeicher wird auf 60 °C geladen.
Gut zu wissen: Kurzes Aufheizen auf 70 °C gilt nach Einschätzung des Umweltbundesamts nicht als sicherer Schutz vor Legionellen. Bei vermieteten Häusern mit Großanlage gelten zudem Untersuchungspflichten. Klären Sie das Warmwasserkonzept deshalb früh mit dem Fachplaner. Welche Speicher es gibt, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Speicher.

Was kostet eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus?

Feste Preise je Wohnung gibt es nicht, zu unterschiedlich sind Gebäude und Heizungsverteilung. Eine Auswertung von 13 öffentlich geteilten Angeboten für Luft-Wasser-Wärmepumpen aus den Jahren 2025 und 2026 zeigt aber die Größenordnung:

HausAngebotspreis (brutto, vor Förderung)je Wohnung
3 Wohnungen, bisher Gas oder Ölrund 53.000 bis 57.000 €rund 18.000 bis 19.000 €
6 Wohnungen, bisher Gas oder Ölrund 49.000 bis 82.000 €rund 8.000 bis 14.000 €
8 Wohnungen, bisher Gasetagenheizungenrund 119.000 bis 133.000 €rund 15.000 bis 17.000 €

Quelle: Auswertung von nachhaltiges-zuhause.de, Oktober 2026. Die Angebote unterscheiden sich im Leistungsumfang. Müssen zusätzlich Heizkörper getauscht werden, kann der Preis je Wohnung deutlich höher liegen.

Gefördert wird über das KfW-Programm 458. Die förderfähigen Kosten steigen mit der Zahl der Wohnungen:

Hausförderfähige Kosten höchstensZuschuss bei 30 % Grundförderung
3 Wohnungen58.000 €17.400 €
4 Wohnungen73.000 €21.900 €
6 Wohnungen103.000 €30.900 €
8 Wohnungen119.000 €35.700 €

Für vermietete Wohnungen bleibt es bei der Grundförderung von 30 %. Wer eine Wohnung selbst bewohnt, kann für diese zusätzlich den Klimageschwindigkeits- und den Einkommensbonus erhalten. Wer antragsberechtigt ist und wie der Antrag abläuft, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Förderung.

Stromverbrauch und Betriebskosten im Mehrfamilienhaus

Am Beispiel eines sanierten Mehrfamilienhauses mit 8 Wohnungen und 600 m² Wohnfläche: Es braucht für Heizung und Warmwasser rund 60.000 kWh Wärme im Jahr. Weil das Warmwasser mit 60 °C bereitet wird, ist eine Jahresarbeitszahl von 3,0 realistisch.

HeizsystemEnergiebedarf pro JahrKosten pro Jahrje Wohnung
Gas-Zentralheizungrund 66.700 kWh Gasrund 7.950 €rund 990 €
Wärmepumpe mit Wärmepumpentarifrund 20.000 kWh Stromrund 4.940 €rund 620 €

Annahmen: 100 kWh Wärme je m² und Jahr wie im sanierten Einfamilienhaus, Gaspreis 11,93 ct/kWh (BDEW, August 2026) bei 90 % Nutzungsgrad, Wärmepumpentarif 24 ct/kWh plus rund 140 € Grundpreis.

Wie der Verbrauch über das Jahr verteilt ist und wie Sie ihn selbst berechnen, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann einen Teil des Stroms liefern, siehe Wärmepumpe mit Photovoltaik.

Vermietung, Abrechnung und Eigentümergemeinschaft

Im Mehrfamilienhaus kommen zur Technik rechtliche Fragen hinzu. Die wichtigsten im Überblick:

  • Abrechnung: Heiz- und Warmwasserkosten müssen zu 50 bis 70 % nach Verbrauch abgerechnet werden. Nötig sind ein Stromzähler vor und ein Wärmemengenzähler hinter der Wärmepumpe sowie Zähler oder Heizkostenverteiler in den Wohnungen.
  • Mieterhöhung: Vermieter können einen Teil der Kosten nach Abzug der Förderung auf die Miete umlegen. Für den Heizungstausch ist die Erhöhung auf 0,50 € je m² Wohnfläche und Monat begrenzt (§ 559e BGB). Lassen Sie die Umlage im Einzelfall rechtlich prüfen.
  • Eigentümergemeinschaft: Seit der WEG-Reform 2020 reicht für den Heizungstausch grundsätzlich eine einfache Mehrheit der Eigentümerversammlung. Wie die Kosten verteilt werden, hängt von der Art des Beschlusses ab.
Wichtig: Auch im Mehrfamilienhaus muss der Förderantrag vor dem Auftrag an den Fachbetrieb gestellt werden. In einer Eigentümergemeinschaft sollte der Beschluss deshalb den Antrag gleich mit regeln.
Marko Gürtler, Heizungsbaumeister und Wärmepumpen-Experte bei UNIDOMO

Praxis-Tipp von Marko Gürtler: Im Mehrfamilienhaus entscheidet das Warmwasser über die Effizienz. Lassen Sie deshalb nicht nur die Heizlast berechnen, sondern auch messen, wie viel Warmwasser das Haus wirklich braucht und wie lang die Zirkulation ist. Bei langen Leitungen sind Wohnungsstationen oft die bessere Wahl, auch wenn sie in der Anschaffung mehr kosten. Und planen Sie lieber zwei kleinere Wärmepumpen als eine große: Das Haus bleibt warm, wenn eine ausfällt.

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Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 10.12.2026