Wärmepumpe dimensionieren – einfach erklärt in 5 Schritten

Wie groß muss Ihre Wärmepumpe sein?

Kurz vorweg: Die richtige Größe Ihrer Wärmepumpe entscheidet darüber, ob sie leise, sparsam und ohne ständiges „An–Aus“ (Takten) läuft. Das Gute: Sie brauchen dafür keine Ingenieursausbildung. Folgen Sie diesen fünf Schritten – plus zwei Mini-Beispielen und einem direkten Kontaktangebot am Ende.

Was Sie wirklich wissen müssen

  • Heizlast = Wärmebedarf Ihres Hauses am kältesten Normtag. Darauf wird die Größe ausgelegt.
  • Vorlauftemperatur = Wie heiß das Heizungswasser in Heizkörper/Fußbodenheizung geht. Je niedriger, desto effizienter.
  • Modulation = Ihre Wärmepumpe kann die Leistung stufenlos anpassen. Das verhindert Takten. Warum häufiges takten schlecht für Ihre Wärmepumpe ist erfahren Sie hier: Wärmepumpe taktet: Ursachen und Lösungen
  • JAZ = Jahresarbeitszahl. Zeigt, wie effizient die Anlage übers Jahr läuft (z. B. 3,5 = 1 kWh Strom → 3,5 kWh Wärme).

Wenn Sie diese vier Punkte grob einschätzen können, sind Sie 80 % des Weges geschafft.

Die 5 Schritte zur passenden Gerätegröße

1) Heizlast grob prüfen – und (wenn möglich) berechnen lassen

  • Schnelle Orientierung: Neubau sehr gut gedämmt: ca. 25–40 W/m² · Sanierter Bestand: 40–65 W/m² · Älter/unsaniert: 70–120 W/m². Beispiel: 140 m² × 40 W/m² ≈ 5,6 kW Heizlast.
  • Beste Lösung: Lassen Sie die Heizlast nach EN 12831 berechnen. Das ist der Goldstandard und verhindert Überdimensionierung. Wenn Sie verstehen möchten, wie die Technik grundsätzlich funktioniert, hilft dieser kompakte Überblick: Funktionsweise einer Wärmepumpe.

Merke: „Sicherheitsaufschläge“ bitte klein halten (0–10 %). Sonst wird die Pumpe zu groß und taktet.

2) Vorlauftemperatur realistisch anpeilen

  • Zielwerte: Fußbodenheizung häufig 35–40 °C, große/modernisierte Heizkörper meist 40–50 °C.
  • Warum das zählt: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto besser die JAZ – und desto kleiner kann das Gerät ausfallen.
  • Hebel: Heizflächen prüfen, hydraulischen Abgleich einplanen, ggf. einzelne Heizkörper vergrößern.

Tiefer einsteigen: Heizlast & Vorlauf im Neubau – verständlich erklärt.

3) Warmwasser entspannt lösen – nicht auf Spitzen dimensionieren

  • Nicht wegen „Duschspitzen“ ein zu großes Gerät wählen.
  • Standard ist ein Speicher (z. B. 180–250 l), der Warmwasser komfortabel puffert.
  • Ein Heizstab springt nur für kurze Legionellen-Programme oder Ausnahmen an.

4) Auf Modulation und Mindestleistung achten

  • Die Nennleistung sollte zur Heizlast passen. Wichtiger im Alltag ist aber die Mindestleistung: Liegt sie unter Ihrer Gebäudelast an milden Tagen (z. B. 1–3 kW), läuft die Anlage ruhig – ohne Takten.
  • Schauen Sie im Datenblatt gezielt nach: „Mindestleistung bei 35/45 °C Vorlauf“ und „erforderlicher Volumenstrom“.

Mehr zu Effizienzkennzahlen in verständlicher Sprache: Wärmepumpen-Wirkungsgrad (COP, JAZ, SCOP).

5) Hydraulik sauber planen – dann passt auch die Größe

  • Hydraulischer Abgleich ist quasi Pflicht: Er sorgt für genügend Durchfluss in allen Räumen und senkt die notwendige Vorlauftemperatur.
  • Bei sehr kleinen Wassermengen im System kann ein kleiner Puffer helfen (sauber einbinden!).
  • Denken Sie an Aufstellort & Schall (Abstand zu Fenstern/Nachbarn, entkoppelte Aufstellung, Nachtmodus). Wer tiefer schauen möchte, findet neutrale Orientierung zu JAZ & Betrieb auch im Fraunhofer-Feldtest: Wärmepumpen im Praxistest.

Wenn Sie im Altbau unterwegs sind, hilft dieser Überblick mit Praxistipps: Wärmepumpe im Altbau – das ist zu beachten.

Zwei kurze Beispiele aus der Praxis

Beispiel A – Neubau, 140 m², Fußbodenheizung

  • Heizlast: ca. 5–6 kW
  • Vorlauftemperatur: 35–40 °C
  • Gerät: Luft/Wasser-WP mit niedriger Mindestleistung (≤ 1,5 kW)
  • Ergebnis: Ruhiger Betrieb, gute JAZ (typisch > 3,5).

Beispiel B – Bestand, 160 m², teilsanierte Heizkörper

  • Heizlast: rund 9–10 kW
  • Vorlauftemperatur: 42–48 °C nach Heizkörper-Upgrade
  • Gerät: Modulierende Luft/Wasser-WP, optional bivalent (Heizstab/Gas nur an Eistagen)
  • Ergebnis: Stabile JAZ um ~3,0–3,5, leiser Betrieb mit Nachtabsenkung.

Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Auf Warmwasser dimensioniert → Gerät zu groß, Takten.
  • Große Aufschläge (> 10 %) → ebenfalls zu groß.
  • Mindestleistung ignoriert → Takten in der Übergangszeit.
  • Vorlauftemperatur zu hoch → schlechtere Effizienz und falsche Gerätegröße.
  • Aufstellort & Schall vergessen → möglicher Ärger mit Nachbarn.

Nächster Schritt

Möchten Sie konkrete Geräte vergleichen – oder eine kostenlose, individuelle Beratung samt Angebot?

FAQ: Häufig gestellte Fragen

So groß, dass sie Ihre Heizlast am kältesten Tag deckt – nicht größer. Modulation und Mindestleistung sichern den ruhigen Betrieb.

Heizkörper vergrößern, hydraulischer Abgleich, ggf. Hüllmaßnahmen. Erst dann dimensionieren.

Meist monovalent. Bivalent (z. B. mit bestehender Gastherme oder Heizstab) ist eine Brücke, wenn Sie in sehr kalten Nächten Reserve möchten. Einen strukturierten Planungsleitfaden bietet die VDI 4645.

Ja – informieren Sie sich vor der Entscheidung über die aktuellen BEG-Förderkriterien beim BAFA.

{ "@context":"http://schema.org/", "@id": "https://www.unidomo.de/heizung/ratgeber/waermepumpe-ratgeber/waermepumpe-dimensionieren/#faq", "@type":"FAQPage", "mainEntity": [{"@type":"Question","name":"Wie gro\u00df soll meine W\u00e4rmepumpe sein?","answerCount":1,"acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"So gro\u00df, dass sie Ihre Heizlast am k\u00e4ltesten Tag deckt \u2013 nicht gr\u00f6\u00dfer. Modulation und Mindestleistung sichern den ruhigen Betrieb."}},{"@type":"Question","name":"Was, wenn ich aktuell > 50 \u00b0C Vorlauf brauche?","answerCount":1,"acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Heizk\u00f6rper vergr\u00f6\u00dfern, hydraulischer Abgleich, ggf. H\u00fcllma\u00dfnahmen. Erst dann dimensionieren."}},{"@type":"Question","name":"Monovalent oder bivalent?","answerCount":1,"acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Meist monovalent. Bivalent (z. B. mit bestehender Gastherme oder Heizstab) ist eine Br\u00fccke, wenn Sie in sehr kalten N\u00e4chten Reserve m\u00f6chten. Einen strukturierten Planungsleitfaden bietet die VDI 4645."}},{"@type":"Question","name":"Gibt es F\u00f6rderungen?","answerCount":1,"acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Ja \u2013 informieren Sie sich vor der Entscheidung \u00fcber die aktuellen BEG-F\u00f6rderkriterien beim BAFA."}}] }

Marko Guertler Experte Waermepumpe Hybridheizung Festbrennstoffkessel

Über unseren Experten

Marko Gürtler – Heizungsbaumeister, Experte für regenerative Energien Marko Gürtler ist seit 2006 Teil des UNIDOMO-Teams. Mit seiner Spezialisierung auf Wärmepumpen, Festbrennstoffkessel und Hybridheizungen ist er Ihr idealer Ansprechpartner für umweltfreundliche und effiziente Heizlösungen. Vertrauen Sie auf seine Erfahrung, um Ihr Zuhause zukunftssicher und energieeffizient zu gestalten.

Letzte Aktualisierung: Juli 2025