Kältemittel bei Klimaanlagen: R290, R32 & Co. im Vergleich
Wer eine neue Klimaanlage auswählt, sollte neben Kühlleistung, Effizienz und Lautstärke auch das verwendete Kältemittel beachten. Es beeinflusst unter anderem das direkte Treibhauspotenzial, die Sicherheitsanforderungen und die regulatorischen Vorgaben für neue Geräte.
Bei aktuellen Split-Klimaanlagen begegnen Ihnen vor allem R32 und R290. Ältere Geräte können außerdem noch mit R410A arbeiten. Gleichzeitig begrenzt die europäische F-Gas-Verordnung schrittweise den Einsatz fluorierter Kältemittel in neu in Verkehr gebrachten Klimageräten.
Dieser Ratgeber zeigt, wie sich R290, R32 und R410A unterscheiden, was der GWP-Wert bedeutet und welche Vorgaben für neue sowie bestehende Klimaanlagen wichtig sind.
Das Wichtigste zu Kältemitteln bei Klimaanlagen
R290 ist nicht fluoriert
R290 ist Propan und besitzt einen GWP von 0,02. Als Kältemittel der Sicherheitsgruppe A3 stellt es zugleich höhere Anforderungen an den Umgang mit Entflammbarkeit.
R32 bleibt 2026 relevant
R32 besitzt einen GWP von 675 und gehört zu den fluorierten Treibhausgasen. Es wird weiterhin eingesetzt, für neue Splitgeräte greifen künftig jedoch strengere F-Gas-Grenzen.
Das Gerät entscheidet mit
Der GWP-Wert allein sagt nichts über die Effizienz oder Eignung einer Klimaanlage aus. Leistung, Geräuschentwicklung, Aufstellort und Gerätekonstruktion bleiben ebenso wichtig.
Inhalt
- Was macht das Kältemittel in einer Klimaanlage?
- R290, R32 und R410A im Vergleich
- Was bedeutet der GWP-Wert?
- R290 als Kältemittel
- R32 als Kältemittel
- Was gilt für R410A?
- A1, A2L und A3: Sicherheitsklassen
- Was ändert die F-Gas-Verordnung?
- Was gilt für bestehende Klimaanlagen?
- Kann das Kältemittel gewechselt werden?
- Welche Rolle spielt das Kältemittel bei der Installation?
- Welches Kältemittel bei einer neuen Klimaanlage?
- Klimaanlagen bei UNIDOMO
- Fazit
Was macht das Kältemittel in einer Klimaanlage?
Das Kältemittel ist das Arbeitsmedium des Kältekreislaufs. Es nimmt im Innengerät Wärme aus der Raumluft auf und gibt sie über das Außengerät wieder an die Umgebung ab.
Dabei verändert es innerhalb des geschlossenen Kreislaufs Druck, Temperatur und Aggregatzustand. Zu den wichtigsten Bauteilen gehören Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger, Expansionsorgan und die Kältemittelleitungen.
Bei einer reversiblen Klimaanlage lässt sich der Prozess umkehren. Das Gerät kann dann nicht nur kühlen, sondern als Luft-Luft-Wärmepumpe auch heizen.
Kältemittel wird im normalen Betrieb nicht verbraucht. Fehlt Kältemittel, sollte die Ursache geprüft werden, da beispielsweise eine Undichtigkeit vorliegen kann.
R290, R32 und R410A im Vergleich
Bei neueren Split-Klimaanlagen ist R32 noch weit verbreitet. Parallel kommen zunehmend Geräte mit R290 auf den Markt. R410A findet sich dagegen vor allem in älteren Anlagen.
| Kältemittel | Art | GWP | Sicherheitsgruppe | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| R290 | Propan, nicht fluoriert | 0,02 | A3 | Sehr niedriges direktes Treibhauspotenzial, höhere Entflammbarkeit |
| R32 | HFKW, fluoriert | 675 | A2L | 2026 noch häufig bei Split-Klimaanlagen eingesetzt |
| R410A | fluoriertes Kältemittelgemisch | deutlich höher als R32 | A1 | vor allem bei älteren Klimaanlagen anzutreffen |
Welches Kältemittel eingesetzt werden kann, wird durch die Konstruktion des jeweiligen Klimageräts vorgegeben. Das Kältemittel kann deshalb nicht frei ausgewählt oder beliebig ersetzt werden.
Was bedeutet der GWP-Wert bei Kältemitteln?
GWP steht für Global Warming Potential, auf Deutsch Treibhauspotenzial. Der Wert beschreibt das Erwärmungspotenzial eines Stoffes im Vergleich zu Kohlendioxid. Für die F-Gas-Verordnung wird grundsätzlich der GWP über 100 Jahre betrachtet.
R32
GWP100: 675
R290
GWP100: 0,02
R290: Was bedeutet Propan als Kältemittel?
R290 ist die Kältemittelbezeichnung für Propan. Der Kohlenwasserstoff enthält kein Fluor und gehört nicht zu den fluorierten Treibhausgasen. Sein GWP100 beträgt 0,02.
Der wesentliche Unterschied zu R32 liegt neben dem GWP in der Sicherheitsklasse. R290 gehört zur Gruppe A3 und weist eine höhere Entflammbarkeit auf. Klimageräte mit R290 müssen deshalb speziell für dieses Kältemittel konstruiert sein.
Was spricht technisch für R290?
- sehr niedriges direktes Treibhauspotenzial,
- kein fluoriertes Treibhausgas,
- gute thermodynamische Eigenschaften und
- nicht von den GWP-Grenzen für fluorierte Treibhausgase betroffen.
Was muss bei R290 beachtet werden?
Aufgrund der A3-Einstufung sind unter anderem Gerätekonstruktion, Füllmenge, Aufstellbedingungen und mögliche Zündquellen zu berücksichtigen. Maßgeblich sind die technischen Vorgaben des jeweiligen Geräts und die geltenden Anforderungen für Installation und Betrieb.
Die Besonderheiten speziell bei Splitgeräten erklären wir im Ratgeber R290 Split-Klimaanlage: Vorteile, Nachteile und Unterschiede zu R32.
R32 als Kältemittel: Ist es 2026 noch eine gute Wahl?
R32 ist ein fluoriertes Kältemittel aus der Gruppe der HFKW. Es hat sich bei vielen Split-Klimaanlagen als Nachfolger von R410A etabliert und besitzt einen GWP von 675 sowie die Sicherheitsklasse A2L.
R32 ist 2026 nicht allgemein verboten. Viele aktuelle Geräte werden weiterhin damit angeboten und bestehende Anlagen können weiter betrieben werden. Für neue Luft-Luft-Splitgeräte bis einschließlich 12 kW wird sein Einsatz durch die kommenden F-Gas-Grenzen jedoch deutlich eingeschränkt.
Ein künftiger Stichtag für das Inverkehrbringen neuer Geräte bedeutet nicht automatisch ein Betriebsverbot für eine bereits installierte R32-Klimaanlage.
Was gilt für das Kältemittel R410A?
R410A war über viele Jahre ein verbreitetes Kältemittel bei Split-Klimaanlagen. Sein direktes Treibhauspotenzial liegt deutlich über dem von R32. Bei neuen Geräten wurde es deshalb weitgehend durch andere Kältemittel ersetzt.
Eine bestehende und technisch einwandfreie R410A-Anlage muss nicht allein wegen ihres Kältemittels sofort ersetzt werden. Bei größeren Reparaturen können jedoch Verfügbarkeit, Kosten und Alter des Systems für die Entscheidung zwischen Instandsetzung und Austausch relevant werden.
R410A darf nicht einfach durch R32 oder R290 ersetzt werden. Verdichter, Ventile, Dichtungen, Betriebsdrücke und Sicherheitseinrichtungen sind auf das vorgesehene Kältemittel abgestimmt.
A1, A2L und A3: Was bedeuten die Sicherheitsklassen?
Kältemittel werden unter anderem nach Toxizität und Entflammbarkeit eingestuft. Bei den hier behandelten Klimaanlagen sind vor allem A1, A2L und A3 relevant.
| Sicherheitsgruppe | Einordnung | Beispiel |
|---|---|---|
| A1 | geringere Toxizität, keine Flammenausbreitung innerhalb der Klassifizierung | R410A |
| A2L | geringere Toxizität, geringere Entflammbarkeit mit begrenzter Brenngeschwindigkeit | R32 |
| A3 | geringere Toxizität, höhere Entflammbarkeit | R290 |
Die Sicherheitsklasse wirkt sich unter anderem auf Gerätekonstruktion, zulässige Füllmengen, Aufstellbedingungen und Arbeiten am Kältemittelkreislauf aus. Sie sollte deshalb immer zusammen mit dem konkreten Klimagerät betrachtet werden.
Was ändert die F-Gas-Verordnung für Split-Klimaanlagen?
Die Verordnung (EU) 2024/573 begrenzt das Inverkehrbringen neuer Geräte mit fluorierten Treibhausgasen schrittweise. Für typische Luft-Luft-Split-Klimaanlagen bis einschließlich 12 kW sind vor allem zwei Stichtage relevant.
| Stichtag | Regel für neue Luft-Luft-Splitgeräte bis 12 kW |
|---|---|
| 1. Januar 2029 | Fluorierte Treibhausgase mit einem GWP von 150 oder mehr sind grundsätzlich nicht mehr zulässig, sofern keine sicherheitsbedingte Ausnahme greift. |
| 1. Januar 2035 | Splitgeräte bis 12 kW sollen grundsätzlich ohne fluorierte Treibhausgase auskommen, sofern keine sicherheitsbedingte Ausnahme greift. |
Für andere Gerätearten und Leistungsklassen gelten teilweise andere Termine. Die genannten Stichtage beziehen sich deshalb bewusst auf die für private Anwendungen besonders relevanten Luft-Luft-Splitgeräte bis 12 kW.
Darf eine bestehende R32- oder R410A-Klimaanlage weiter betrieben werden?
Ja. Die genannten Verbote der F-Gas-Verordnung betreffen in diesem Zusammenhang das Inverkehrbringen bestimmter neuer Geräte. Eine bereits installierte Anlage wird dadurch nicht automatisch stillgelegt.
Bei älteren Anlagen können stattdessen praktische Fragen entscheidend werden: Ersatzteilversorgung, Reparaturkosten, Verfügbarkeit des benötigten Kältemittels, Energieverbrauch und der technische Zustand des Geräts.
Kann man eine Klimaanlage auf ein anderes Kältemittel umrüsten?
Ein Kältemittel darf nicht einfach gegen ein anderes ausgetauscht werden.
Verdichter, Wärmetauscher, Ventile, Dichtungen, Rohrleitungen, Öl, Regelung und Betriebsdrücke werden auf das vorgesehene Kältemittel abgestimmt. Bei brennbaren Kältemitteln kommen zusätzliche konstruktive und sicherheitstechnische Anforderungen hinzu.
Das passende Kältemittel wird durch die Konstruktion des Klimageräts vorgegeben – nicht vom Betreiber nachträglich ausgewählt.
Welche Rolle spielt das Kältemittel bei der Installation?
Das verwendete Kältemittel beeinflusst auch die Anforderungen an Installation, Wartung und Reparatur.
Bei nicht hermetisch geschlossenen Split-Klimaanlagen mit fluorierten Treibhausgasen wie R32 greifen neben den Anforderungen an die fachliche Qualifikation auch besondere Vorgaben beim Verkauf an Endverbraucher. In Deutschland konkretisiert § 15 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung diese Nachweispflicht.
R290 ist dagegen kein fluoriertes Treibhausgas. Deshalb greift diese spezielle F-Gas-Verkaufsregel für eine reine R290-Anlage nicht in gleicher Weise. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Kältemittelkreislauf einer R290-Split-Klimaanlage ohne entsprechende Qualifikation selbst installiert werden darf.
Die Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 erfasst bei ortsfesten Klimaanlagen die Installation ausdrücklich auch dann, wenn Kohlenwasserstoffe wie R290 eingesetzt werden. Für die erfassten Tätigkeiten gelten Zertifizierungs- beziehungsweise Sachkundeanforderungen.
R32 und andere F-Gase
Mehr zu Verkaufsnachweis und Fachbetriebspflicht finden Sie in unserem Ratgeber Fachbetriebspflicht bei Split-Klimaanlagen mit fluorierten Treibhausgasen.
R290 und Eigenleistung
Welche Vorarbeiten selbst übernommen werden können und wo die Grenze zum Kältemittelkreislauf liegt, erklären wir im Ratgeber R290 Split-Klimaanlage selbst installieren.
Welches Kältemittel sollte eine neue Klimaanlage haben?
Bei einer Neuanschaffung sollte das Kältemittel berücksichtigt werden, aber nicht allein über die Kaufentscheidung entscheiden.
| Priorität | Einordnung |
|---|---|
| Niedriges direktes Treibhauspotenzial | R290 hat mit einem GWP von 0,02 einen deutlichen Vorteil gegenüber R32. |
| Große aktuelle Geräteauswahl | R32 ist 2026 weiterhin in vielen Split-Klimaanlagen verfügbar. |
| Künftige F-Gas-Grenzen | Bei neuen Splitgeräten gewinnen nicht fluorierte Lösungen durch die kommenden Vorgaben an Bedeutung. |
| Aufstell- und Sicherheitsanforderungen | Gerät, Kältemittel und Einbausituation müssen gemeinsam betrachtet werden. |
Ebenso wichtig sind die benötigte Kühl- und Heizleistung, SEER und SCOP, Lautstärke von Innen- und Außengerät, Modulationsbereich, Raumaufteilung, Aufstellmöglichkeiten und Leitungslängen.
R290 bietet beim direkten Treibhauspotenzial und mit Blick auf die kommenden F-Gas-Grenzen klare Unterschiede zu R32. Eine R32-Klimaanlage ist 2026 deshalb aber nicht automatisch die falsche Wahl. Entscheidend ist, welches konkrete System zu Gebäude, Nutzung und Aufstellort passt.
Das passende Kältemittel ist nur ein Teil der Geräteauswahl. Ebenso wichtig ist, dass die Kühl- und Heizleistung zu Ihren Räumen passt. Mit unserem kostenlosen Heiz- und Kühllastrechner für Klimaanlagen können Sie den Leistungsbedarf für einen oder mehrere Räume überschlägig berechnen. Berücksichtigt werden unter anderem Raumgröße, Fenster, Sonneneinstrahlung, Dämmung und Raumhöhe.
Kältemittel-Check: Was ist für Sie wichtig?
Sie möchten bei einer neuen Klimaanlage möglichst früh auf ein nicht fluoriertes Kältemittel setzen.
Dann sind R290-Geräte besonders interessant. Prüfen Sie jedoch auch verfügbare Leistungsklassen, Geräteauswahl und die Anforderungen an den Aufstellort.
Sie besitzen bereits eine funktionierende R32-Klimaanlage.
Ein Austausch ist allein wegen des Kältemittels normalerweise nicht erforderlich. Zukünftige Beschränkungen für neue Geräte bedeuten nicht automatisch ein Betriebsverbot für Ihre bestehende Anlage.
Ihre alte Klimaanlage arbeitet noch mit R410A.
Solange die Anlage zuverlässig und wirtschaftlich arbeitet, muss sie nicht allein wegen des Kältemittels ersetzt werden. Bei einer größeren Reparatur sollte ein Austausch gegen ein aktuelles System mitgeprüft werden.
Sie möchten eine R290 Split-Klimaanlage selbst montieren.
Unterscheiden Sie zwischen vorbereitenden Montagearbeiten und Arbeiten am Kältemittelkreislauf. Dass R290 kein F-Gas ist, bedeutet nicht automatisch, dass alle Installationsarbeiten ohne entsprechende Qualifikation durchgeführt werden dürfen.
Klimaanlagen bei UNIDOMO auswählen
Bei der Auswahl einer Klimaanlage sollten Leistung, Raumgröße, Effizienz, Lautstärke und Kältemittel zusammen betrachtet werden.
Fazit: Welches Kältemittel ist bei Klimaanlagen sinnvoll?
R32 ist 2026 weiterhin ein verbreitetes Kältemittel bei Split-Klimaanlagen. Für neue Luft-Luft-Splitgeräte bis 12 kW führen die kommenden F-Gas-Grenzen jedoch ab 2029 zu deutlichen Einschränkungen.
R290 ist Propan, nicht fluoriert und besitzt einen GWP von 0,02. Gleichzeitig erfordert die A3-Einstufung eine Gerätekonstruktion und Installation, die auf die höhere Entflammbarkeit ausgelegt sind.
Für Käufer gilt daher: Das Kältemittel ist ein wichtiges Auswahlkriterium, aber nicht das einzige. Die Klimaanlage muss vor allem hinsichtlich Leistung, Effizienz, Lautstärke und Aufstellbedingungen zum Einsatz passen.
Experteneinordnung von Benjamin Harris
Bei der Auswahl einer Klimaanlage sollte das Kältemittel nicht isoliert betrachtet werden. Ebenso wichtig sind die passende Kühlleistung, Energieeffizienz, Lautstärke und die Anforderungen an Aufstellung und Installation.
Über unseren Experten
Benjamin Harris ist bei UNIDOMO Ansprechpartner für Klimaanlagen, Lüftungstechnik und Photovoltaik. Sein Schwerpunkt liegt auf der Auswahl moderner Haustechnik und der passenden Auslegung für unterschiedliche Gebäude und Anforderungen.
Letzte Aktualisierung: September 2026