Von Ertrag bis Schneebelag: Solaranlagen im Winter

Eine thermische Solaranlage kann auch in der sonnenarmen Winterzeit in Kombination mit anderen Heizungssystemen ihren nachhaltigen Beitrag zu wohliger Wärme leisten – auch der Schnee auf den Solarkollektoren ist nicht so dramatisch in seinen Auswirkungen, wie so manch einer vielleicht denkt.

 

Da strahlt nicht nur die Sonne: Die Vorteile der Solarenergie

Generell ist man mit einer Solaranlage immer gut beraten, denn die Sonne ist eine schier unerschöpfliche Energiequelle. Ihr Einsatz ist für Immobilienbesitzer ebenso lohnend wie für die Umwelt, denn es werden nicht nur wertvolle Brennstoffe und dadurch Heizkosten gespart, auch die Freisetzung von CO2 wird nachhaltig verringert. Und bei der gewonnenen Energie hat man die Wahl: Sie kann fürs Erwärmen des eigenen Trinkwassers ebenso genutzt werden wie für die Heizungsanlage. Doch wie nutzt man eine Solaranlage am effektivsten im Winter? Darüber sollte man sich schon vor dem Kauf und der Installation der Anlage Gedanken machen. Mehrere Kombinationen mit anderen Heizsystemen sind hier möglich.

 

Effizient kombiniert: Solarthermie plus Gas oder Pellets

Thermische Brauchwasser-Solaranlagen bringen mit ihren Sonnenkollektoren naturgemäß in den Sommermonaten den meisten Ertrag. In den Wintermonaten sinkt das Leistungsniveau auf zirka 20 Prozent des Gesamtbedarfs eines Einfamilienhauses. Da bietet es sich an, die Solaranlage mit anderen Heizsystemen zu kombinieren, die teilweise nachhaltig sind:

 

Kombi 1: Thermische Solaranlage plus Wärmepumpe

Die Solaranlage lässt sich gut mit der Wärmepumpe kombinieren. Die aus den Solarthermie-Kollektoren gewonnene Wärme wird auf ein Trägermedium, meistens Wasser, übertragen. Die Gasheizung verbrennt Gas und erzeugt auf diesem Weg Wärme. Die aus beiden Systemen erzeugte Wärme wird in einen Warmwasserspeicher, auch Pufferspeicher genannt, transportiert, wobei der Wärmeträger aus den Kollektoren gepumpt wird. Hier wird die gewonnene Wärmeenergie vorgelagert, um dann zur weiteren Verwendung zur Verfügung zu stehen.

 

Kombi 2: Thermische Solaranlage plus Wärmepumpen

Eine gute Ergänzung für Solaranlagen sind Wärmepumpen. Sie entziehen dem Erdreich oder der Luft Wärme, um sie direkt ans Heizungssystem des Hauses weiterzugeben. Mit dieser Funktion können Wärmepumpen mit thermischen Solaranlagen auf zwei Arten ideal harmonieren:

  • Direkt, als eigenständiger Regelkreis neben der Solaranlage. Beide Anlagen teilen sich hier die Wärmeerzeugung. So wird in der Summe ein höherer Energieertrag erzielt.
  • Indirekt – hier wird die mit der thermischen Solaranlage erzeugte Wärme genutzt, um das Erdreich rund um die Erdungssonde der Wärmepumpe zu erwärmen. Dem Boden wird so zusätzliche Wärme zugeführt, und die Pumpe kann einen höheren Wirkungsgrad erzielen. Auf diesem Weg arbeitet die Wärmepumpe effizienter – sie schaltet sich später ab, und traditionelle Heizsysteme müssen seltener einspringen. Zusätzlich reduzieren sich bei dieser Kombination die Anschaffungskosten der Anlage, denn durch das verbesserte Arbeiten der Wärmepumpe kann sie kleiner konzipiert werden.

 

Kombi 3: Thermische Solaranlage plus Pelletheizungssystem

Bei dieser Kombination harmonieren zwei besonders nachhaltige Heizsysteme miteinander. Dabei wird die von der Solaranlage gewonnene Energie in einen Kombispeicher eingespeist. Im selben Speicher landet auch die Wärme, die vom Pelletheizungssystem erzeugt wird. In dem Moment, in dem die Solaranlage in ihrer Leistung abfällt, erkennt dies eine intelligente Steuerungseinheit. Sie schaltet nun die Pelletheizung hinzu, damit der Wärmebedarf des Gebäudes gerade im Winter weiterhin gedeckt wird. Vorteil dieser Kombination ist, dass Pellets eingespart werden, wenn die Solaranlage in Betrieb ist – und dass weniger Emissionen produziert werden.

 

Schnee auf den Sonnenkollektoren – was ist zu tun?

Nicht nur die Themen Effizienz und Ertrag sind für Nutzer von Solaranlagen in den Wintermonaten interessant: Viele von Ihnen fragen sich, wie man sich bei Schneefall verhält. Aufs Dach steigen, den Schnee herunterfegen oder – ignorieren? Tendenziell sollte man entspannt bleiben. Lang anhaltende, weiße Winterperioden sind im Laufe der Jahrzehnte in Nordeuropa immer seltener geworden – aber es gibt sie noch. Sollte man nun mit dem Besen bewaffnet vom Dachfenster aus den Schnee von den Kollektoren befördern? Eigentlich ist es nicht wirklich nötig, denn: Je steiler die Neigung der Module, desto eher rutscht der Schnee von den Kollektoren ab und sie liegen wieder zum Einfangen der Sonnenstrahlen frei. So ergibt es schon bei der Installation Sinn, sie nach Möglichkeit mit mindestens 30 Grad Neigung zu montieren. Auch rahmenlose Module sind hier sinnvoll, weil der Schnee so nach unten abrutschen kann – und die Module noch schneller freigibt.

 

Obacht auf dem Dach

Wer wegen des Schnees auf den Kollektoren doch aufs Dach steigen will, sollte vorsichtig sein: Ein schneebedecktes Dach ist noch rutschiger als ein nasses. Absolutes Muss ist daher eine gut fixierte Sicherheitsleine, die einen vor dem Sturz vom Dach absichert, sollte man wirklich ausrutschen. Wenn es irgend geht, sollten die Module vom Boden aus vom Schnee befreit werden. Eine Teleskopstange kann hier für den nötigen verlängerten Arm sorgen. Die Gefahr ist aber, dass die Module zerkratzt oder in anderer Form beschädigt werden, besonders bei angetautem Schnee, der erneut gefriert.

Fest steht auf jeden Fall: Ein Sturz vom Dach steht in keinem Verhältnis zu den paar Kilowattsunden, die man durch eigenhändige Freilegung der Module vom Schnee gewinnt.

 

Ertragsrückgänge bleiben im Rahmen

Generell wird der durch Wintereinbrüche verursachte Leistungsabfall in seiner Tragweite überschätzt. Statistiken zeigen, dass lediglich ein Viertel des jährlichen Ertrags von Oktober bis März anfällt – die übrigen drei Viertel fallen aus offensichtlichen Gründen in die Monate April bis September. Der tägliche Durchschnittsertrag solch eines Monats – also der Monatsertrag geteilt durch 30 Tage – einer Solaranlage bringt circa 4,5 Kilowattstunden. An einem Wintertag sind es im Schnitt nur knapp 1,0 Kilowattstunden. Grundsätzlich lässt sich daher sagen, dass ein sonniger Sommertag durchschnittlich mehr Ertrag bringt als eine ganze Winterwoche. Bei diesen winterlich bedingten Verlusten mag Schneebedeckung zwar mit eine Rolle spielen – allerdings eher eine untergeordnete. So kann man prinzipiell entspannt bleiben, wenn das eigene Hausdach in winterlichem Weiß erstrahlt.

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