Neue Richtlinien bei alten Heizungen

Es wird ernst für die Besitzer alter Heizungen: Die zum Mai 2014 in Kraft getretene Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) bringt zu Beginn des Jahres 2015 einschneidende Neuerungen mit sich. Neuerungen übrigens, von denen viele gar nicht wissen, dass sie auf sie zukommen. So kam eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Immobilienportals Immonet zu folgendem Ergebnis: 76 Prozent der befragten Makler gaben an, dass sich ihre Kunden nicht mit der neuen Verordnung auskennen würden. Was genau die EnEV beinhaltet, verrät dieser Ratgeber.

Was ist die EnEV?

Die von der Bundesregierung im Oktober 2013 verabschiedete Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) ist am 1. Mai 2014 in Kraft getreten. Mit der EnEV verfolgt die Bundesrepublik das allgemeine Ziel der Energieeinsparung in privaten Gebäuden. Betroffen sind alle Gebäude mit Einrichtungen und Anlagen der Heizungs-, Kühl-, Raumluft- und Beleuchtungstechnik sowie Gebäude mit Warmwasserversorgung. Langfristig – bis zum Jahr 2050 – soll der Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral sein.

Anforderungen an Altbauten

Die EnEV soll dafür sorgen, dass veraltete Heizungsanlagen ausgetauscht und durch neue, energieeffizientere Modelle ersetzt werden. Dabei sind aber paar Ausnahmen zu beachten. Die Vorgaben im Einzelnen:

Austausch alter Öl- und Gasheizkessel

Gas- und Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, müssen bis spätestens 1. Januar 2015 ausgetauscht werden. Danach dürfen vor 1985 aufgestellte oder eingebaute Standardheizkessel nicht mehr verwendet werden! Bisher galt die Umrüstungspflicht nur für Heizkessel, die vor 1978 eingebaut wurden. Wurden die Heizungsanlagen nach dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt, gilt eine Austauschpflicht nach 30 Jahren.

Allerdings gibt es einige Ausnahmen: So sind beispielsweise Brennwertkessel und Niedertemperaturheizkessel mit besonders hohem Wirkungsgrad von der Regelung befreit – erfasst werden zunächst nur die sogenannten Konstanttemperaturheizkessel. Ebenso sind Hauseigentümer von der Austauschpflicht befreit, die vor Februar 2002 in ein Ein- oder Zweifamilienhaus mit einer 30 Jahre alten Heizung gezogen sind und dieses Haus auch zumindest teilweise selbst bewohnen. Ist der Einzug nach Februar 2002 erfolgt, muss nachgerüstet werden. Wechselt der Hauseigentümer, muss der neue Besitzer der Austauschpflicht innerhalb von zwei Jahren nachkommen.

Dämmung

Schon 2009 schrieb die EnEV den Hausbesitzern vor, das Dach oder die oberste Geschossdecke zu dämmen. Damals allerdings gab es noch reichlich Interpretationsspielraum, ab wann Dach oder Decke als gedämmt gelten. Damit ist nun Schluss: Oberste Geschossdecken, die nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz erfüllen (U-Wert kleiner oder gleich 0,24 W/m² K), müssen bis Ende 2015 gedämmt werden. Diese Regelung betrifft Decken beheizter Räume, die an ein unbeheiztes Dachgeschoss angrenzen. Die Forderung gilt als erfüllt, wenn das Dach darüber bereits gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz entspricht.

Allerdings steht diese Pflicht zum nachträglichen Dämmen unter dem Amortisierungsvorbehalt: Das heißt, die Vorgabe muss nur umgesetzt werden, wenn die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen auch wieder durch die damit verbundenen Einsparungen erwirtschaftet werden können – innerhalb einer angemessenen Frist. Entsprechende Gerichtsurteile halten meist einen Zeitraum von zehn Jahren für angemessen.

Energieausweis

Wer ein Gebäude vermieten oder verkaufen will, muss dem Interessenten einen Energieausweis vorlegen und beim Vertragsabschluss übergeben. Zudem muss bereits die Immobilienanzeige die wichtigsten energetischen Kennwerte aus dem Energieausweis enthalten, beispielsweise den durchschnittlichen Endenergiebedarf des Gebäudes. Darüber hinaus werden diese Energiekennwerte nicht mehr nur auf einer Skala von rot bis grün dargestellt, sondern auch mit einer von neun Effizienzklassen. Ähnlich wie bei Waschmaschinen und Kühlschränken reicht die Bandbreite hier von A+ (geringer Energieverbrauch) bis H (hoher Energieverbrauch). Letztere Zuordnung gilt aber nur für neu ausgestellte Ausweise, bereits vorhandene Ausweise ohne Effizienzklassen behalten ihre Gültigkeit.

Ausnahmen und Sonderregelungen

Die Vorgaben der EnEV betreffen in erster Linie Wohngebäude, die durch eine Sanierung merkliche Kosteneinsparungen erzielen können. Daher bestehen Sonderregelungen für eine Reihe von Gebäuden, die nicht regelmäßig genutzt, geheizt oder gekühlt beziehungsweise nur für eine gewisse Zeit errichtet werden. Dies sind unter anderem Ferienhäuser, Gewächshäuser, Ställe oder Zelte. In diesen Fällen stünde der Aufwand einer Sanierung in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen.

Anforderungen an Neubauten

Neu errichtete Gebäude müsse zum 1. Januar 2016 höhere energetische Anforderungen erfüllen: Der zulässige Wert für die Gesamtenergieeffizienz wird um 25 Prozent gesenkt. Die Gesamtenergieeffizienz umfasst neben dem Endenergiebedarf auch die Energie, die für Herstellung, Transport und Lagerung des Brennstoffs nötig ist.

Hier gilt: Je kleiner der Wert, umso besser. Ab 2021 gilt für alle Neubauten der von der EU festgelegte Standard für Niedrigstenergie-Gebäude. Die hierfür benötigten Richtwerte sollen bis Ende 2018 bekanntgegeben werden.

Ob Neubau oder Sanierung: Auf alle Fälle ist es sinnvoll zu prüfen, ob staatliche Fördermittel beantragt werden können. Vor allem das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) halten Mittel für die energetische Sanierung beziehungsweise den Neubau nach bestimmten Effizienzstandards bereit. Bausachverständige und Energieberater beraten im Einzelfall – zum Beispiel, ob es sich lohnt, über die Minimal-Anforderungen der EnEV hinauszugehen und so in den Genuss einer staatlichen Förderung zu gelangen.