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Schimmel durch falsches Lüften

Richtiges Lüften ist ein Muss – ansonsten können sich aufgrund zu hoher Luftfeuchtigkeit Schimmelpilze bilden. Dass Dauerlüften über gekippte Fenster das falsche Mittel ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Was viele aber nicht wissen: Wie man korrekt lüftet, ist abhängig von den klimatischen Bedingungen. Als hoch effektive Alternative oder zur Unterstützung zum Fensterlüften, vor allem in gut gedämmten Neubauwohnungen, bietet sich der Einsatz von Lüftungsanlagen und Luftentfeuchtern an.

Lüften ist in vielerlei Hinsicht von Nutzen: Verbrauchte Luft, Staub, Gerüche und Schadstoffe können auf diese Weise nach draußen befördert werden. Der wichtigste Aspekt aber ist: Durch richtiges Lüften lässt sich die Luftfeuchtigkeit in Räumen effizient senken. Und das ist auch unbedingt nötig, da in bewohnten Gebäuden ständig Wasserdampf freigesetzt wird. Ein Drei-Personen-Haushalt produziert durch Waschen, Duschen, Kochen, natürliches Schwitzen und weitere Feuchtigkeitsquellen täglich sechs bis 14 Kilogramm Wasser. Wird der Luftinhalt der Innenräume nicht mehrmals täglich ausgetauscht, kommt es zur Bildung von Kondenswasser, und Schimmel kann entstehen.

Luftfeuchtigkeit – physikalische Hintergründe

Wir sprechen häufig von trocken-warmer und feuchtkalter Luft – dabei ist es eigentlich genau umgekehrt, zumindest in physikalischer Hinsicht. Denn je wärmer Luft ist, umso mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Umgekehrt gilt: Je kälter Luft ist, desto weniger Wasser kann sie binden.

Wenn es um das Thema Lüften geht, spricht man von Luftfeuchte – womit aber nichts anderes als Luftfeuchtigkeit gemeint ist. Man unterscheidet dabei zwischen der absoluten und der relativen Luftfeuchte. Die absolute Luftfeuchte (angegeben in Gramm pro Kubikmeter Luft) gibt an, wieviel Wasser die Luft bei einer bestimmten Temperatur höchstens aufnehmen kann. Die relative Luftfeuchte beschreibt, wie viel Feuchtigkeit in der Luft tatsächlich enthalten ist – im Verhältnis zur maximal möglichen Menge an Wasserdampf bei der identischen Temperatur, also zur absoluten Luftfeuchte. Die relative Luftfeuchte ist daher ein Prozentwert, der darüber informiert, wie hoch der Sättigungsgrad der Luft mit Feuchtigkeit ist.

Erreicht die Sättigung 100 Prozent, wird der berühmt-berüchtigte Taupunkt erreicht. Die Luft kann keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Wird ihr weitere Feuchtigkeit zugeführt, sinkt ihre Temperatur ab oder gerät sie in Kontakt mit kälteren Flächen, kommt es zur Bildung von Kondens- oder Schwitzwasser. Die Folge davon dürfte bekannt sein – es kann sich Schimmel bilden. Ein Beispiel mit konkreten Werten: Man hat es sich im Winter daheim richtig mollig warm gemacht, die Raumtemperatur beträgt 25 Grad, und die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei rund 65 Prozent. Sinkt die Temperatur auf 20 Grad ab, steigt die relative Luftfeuchte auf mehr als 80 Prozent an. Kühlt sich die Temperatur weiter auf 18 Grad ab, ist der Taupunkt erreicht – mit den skizzierten Folgen.

Umgekehrt lässt sich durch Lüften die relative Luftfeuchte in den Innenräumen effektiv senken, da kalte Luft ja weniger Wasser aufnehmen kann als warme Luft und dadurch eine geringere Luftfeuchtigkeit aufweist. Zur Veranschaulichung: Bei einer Temperatur von 20 Grad kann Luft maximal rund 17,3 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Bei 0 Grad sind es nur noch etwa 4,8 Gramm je Kubikmeter Luft. Selbst wenn die relative Luftfeuchte der Außenluft wesentlich höher ist als die der Innenluft, enthält die Außenluft deutlich weniger Wasser. Wird die Innenluft nun komplett durch die Außenluft ersetzt und diese dann auf den als Wohlfühltemperatur geltenden Wert von 20 Grad erwärmt, ist die relative Luftfeuchte der Raumluft deutlich niedriger als zuvor – sie kann zusätzlich Wasser aufnehmen, ohne dass sie ihren Sättigungsgrad erreicht. Schimmel hat dann keine Chance.

Richtiges Lüften – Abhängig von Außenbedingungen

Das Phänomen, dass Luft in Abhängigkeit von ihrer Temperatur unterschiedlich viel Wasser aufnehmen kann, hat in der Praxis folgende Konsequenz: Das Lüftungsverhalten sollte sich an den klimatischen Bedingungen orientieren. Oder kurz gesagt: Wie man richtig lüftet, hängt von den Jahreszeiten beziehungsweise vom jeweiligen Wetter ab.

Kalte, trockene Tage – also klassische Wintertage – sind ideal, um die Luftfeuchtigkeit aus den Wohnräumen zu entfernen. Da die sehr kühle Außenluft dann besonders wenig Wasser enthält, reicht kurzzeitiges Stoßlüften durch mehrere gleichzeitig geöffnete Fenster oder Türen (Durchzug), um die feuchte, warme Innenluft durch die Außenluft zu ersetzen. An solchen Tagen genügt es, zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten stoßzulüften, am besten morgens und abends. Die Raumwärme geht dabei nur zu einem kleinen Teil verloren, da der Großteil der Wärmeenergie in den Innenwänden, Möbeln, Einrichtungsgegenständen etc. gespeichert ist – und nicht in der Raumluft. Länger sollte man aber nicht lüften und generell währenddessen die Heizung runterstellen.

An milden, feuchten Tagen – klassischerweise im Herbst und Frühling – ist die Gefahr von Schimmelbildung in den Innenräumen am höchsten. Die relativ warme Außenluft weist dann eine hohe Luftfeuchtigkeit auf, zudem sind die Temperaturunterschiede zwischen der Innen- und Außenluft zumeist vergleichsweise niedrig. Dadurch wird die Luft beim Lüften nur langsam ausgetauscht. An solchen Tagen sollte man drei- bis viermal für mindestens zehn bis 15 Minuten Stoßlüften. Dauerlüften über gekippte Fenster erhöht das Schimmelrisiko bei solchen klimatischen Bedingungen dramatisch, da dabei kein richtiger Luftaustausch stattfindet und die Luftfeuchtigkeit im Inneren stetig steigt.

An sehr warmen und trockenen Tagen, also vorrangig im Sommer, lässt sich die Luftfeuchtigkeit am schlechtesten durch Lüften aus den Innenräumen entfernen – oftmals ist die Temperatur der Außenluft dann höher als die der Innenluft. An solchen Tagen ist Kipplüften kein Problem, Stoßlüften zudem nur bedingt nötig und möglich. Die besten Zeitpunkte dafür sind dann der frühe Morgen und der späte Abend.

Eine Ausnahme stellen Räume mit Feuchtigkeitsquellen wie Küche und Bad dar. Hier sollte generell darauf geachtet werden, dass anfallende größere Mengen von Wasserdampf direkt abgeführt werden. In der Küche empfiehlt sich der Einsatz von Dunstabzügen, die die Feuchtigkeit – und auch Gerüche – ins Freie abführen. Im Badezimmer sollten die Fenster nach dem Duschen oder Baden vorübergehend weit geöffnet werden. In Bädern ohne Fenstern ist es wichtig, dass der Abluftschacht einwandfrei funktioniert.

Lüftungsanlagen und Luftentfeuchter

Die bequeme und hoch wirksame Alternative zum Lüften über Fenster und Türen sind Lüftungsanlagen – in den extrem gut gedämmten Niedrigenergie- und Passivhäusern ist ihr Einsatz eh praktisch Pflicht, da dort bei geschlossenen Fenstern und Türen praktisch kein passiver Luftaustausch stattfindet. Zentrale Lüftungsanlagen versorgen dabei eine ganze Wohnung oder ein komplettes Haus mit Außenluft, minimieren zudem dank Wärmerückgewinnung die Heizkosten. Zudem gibt es dezentrale Lüftungsanlagen, um gezielt nur einen einzigen oder einige Räume zu belüften – beispielsweise Badezimmer ohne Fenster.

Ideal zum Trocknen von Räumen, etwa von Waschkellern, Saunen und privaten Schwimmbädern, sind Luftentfeuchter. Es gibt sie als mobile Geräte und zur Wandmontage. Die Geräte saugen die feuchte Luft mithilfe eines Ventilators an und kühlen sie unter den Taupunkt ab. Der zu Wasser kondensierte Wasserdampf lässt sich dann bequem abführen, während die trockene Luft erwärmt und zurück in den Raum geführt wird. Mithilfe solcher Luftentfeuchter lässt sich das Auftreten von Kondenswasser und damit von Schimmel in besonders gefährdeten Feuchträumen effektiv verhindern.

Veröffentlicht am 7. Juni 2017, zuletzt bearbeitet am 22. Dezember 2017