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Energieeffizienzklassen von Immobilien

Mit ihnen müssen sich Immobilienbesitzer beim Bauen und Renovieren vermehrt auseinandersetzen: Energieausweise, Energieeffizienzklassen und Co. Doch gerade bei diesem Thema gibt es in Sachen Information bei vielen noch Nachholbedarf. Was sind die Energieeffizienzklassen für Gebäude, was gibt es seit diesem Jahr an Änderungen, und wie kann man die Effizienzklasse seiner Immobilie verbessern?

Hier im Folgenden ein paar Antworten.

Kennzeichnung des Energieverbrauchs – fürs Haus

Die Energieeffizienzklassen entspringen der Grundidee, diverse Güter mit einem von der EU initiierten Label zu versehen, welches Auskunft über den Energieverbrauch gibt. Neben den EU-Energielabels für Elektrogeräte und Pkw, die dem Konsumenten bei der Kaufentscheidung helfen sollen, gibt es diese Energieverbrauchskennzeichnung auch für Betriebs-, Büro- und Wohngebäude. Sie hat ihren Ursprung in der Energieeinsparverordnung. Diese regelt auf rechtlicher Grundlage des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) die bautechnischen Anforderungen für Bauherrn zum effizienten Betriebsenergiebedarf von Bauprojekten und Gebäuden.

Die 2007 novellierte und 2009 sowie 2013 geänderte Energieeinsparverordnung hat seit dem 1. Mai 2014 zur Folge, dass der Energieausweis für Wohngebäude eine modifizierte Angabe von Energieeffizienzklassen enthält. In einer sogenannten, den Tachometern in Pkw nachempfundenen „Bandtacho“-Grafik ist die Energieeffizienzklasse für die betreffende Immobilie einzusehen. Die verschiedenen Klassen im Einzelnen lauten:

Energieeffizienzklasse Endenergiebedarf/Verbrauch Jährliche Betriebskosten pro m²
Wohnfläche (geschätzt)
A+ unter 30 kWh (m2a) Weniger als 2 Euro
A 30 bis unter 50 kWh (m2a) 3 Euro
B 50 bis unter 75 kWh (m2a) 5 Euro
C 75 bis unter 100 kWh (m2a) 7 Euro
D 100 bis unter 130 kWh (m2a) 9 Euro
E 130 bis unter 160 kWh (m2a) 12 Euro
F 160 bis unter 200 kWh (m2a) 15 Euro
G 200 bis unter 250 kWh (m2a) 18 Euro
H über 250 kWh (m2a) 20 Euro und mehr

Energetische Standards: Die Energieeffizienzklassen

Mit „A“ klassifizierte Gebäude entsprechen mit ihrem Endenergieverbrauch unter 50 kWh ungefähr dem Standard eines Passivhauses (A+) oder des „KfW-Energiesparhaus 40“ der KfW Bankengruppe (früher Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW).

Die Effizienzklasse „B“ entspricht ungefähr dem KfW Energiesparhaus 60, auch „3-Liter-Haus“ genannt (3 Liter Heizöl für die Heizung pro qm Wohnfläche).

Mit „C“ klassifizierte Gebäude erfüllen den Standard klassischer Niedrigenergiehäuser: Pro qm benötigen sie 55 bis 70 kWh Heizwärme und sind häufig mit moderner Heizungsanlagentechnik versehen.

Der Effizienzgrad „D“ umfasst einerseits Neubauten, welche die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) noch erfüllen, und andererseits Altbauten, die auf hohem Niveau modernisiert wurden – ebenfalls mit einer effizienten, modernen Heizungsanlage.

Beim Effizienzgrad „E“ finden sich häufig Eigenheime wieder, die gerade noch den Anforderungen der EnEV entsprechen. Auch hochwertig sanierte Altbauten fallen häufig unter diesen Standard.

Der Effizienzgrad „F“ vereint Altbauten unter sich, die standardmäßig komplett modernisiert wurden.

Die nur teilweise modernisierten Altbauten finden sich im Effizienzgrad „G“ wieder. An ihr wurden teilweise Wärmeschutzmaßnahmen vorgenommen, ebenso wie eine Modernisierung der Heizungsanlage.

Der Effizienzgrad „H“ definiert Altbauten mit nur teilweise modernisierter Heizung und Isolierverglasung.

Wissenswertes zum Energieausweis

Den Energieausweis, auf dem sich die Energieeffizienzklassen befinden, gibt es in zwei Ausführungen: als Verbrauchsausweis und als Bedarfsausweis.

Der Verbrauchsausweis: Er basiert auf dem Energieverbrauch der Hausbewohner in den vergangenen drei Jahren. Der Verbrauchsausweis wird mittels der Heizkostenabrechnungen dieses Zeitraums erstellt und beruht damit auf den Heizgewohnheiten der Bewohner: Wer aufgrund vieler beruflicher Reisen eher selten zu Hause ist, wird folglich indirekt für eine energieeffizientere Klassifizierung sorgen – wer schnell friert und viel heizt, für eine weniger effiziente.

Beim Bedarfsausweis hingegen schaut sich ein Fachmann die Baupläne und das Gebäude ganz genau an. Hier werden die für den Ausweis erforderlichen Eckdaten wie Baujahr, Bauunterlagen, Heizungs- und Gebäudedaten zu einer rechnerischen Auswertung herangezogen und zusammen mit angenommenen Daten wie Nutzerverhalten, Klimabedingungen sowie Raumtemperatur bestimmt.

Aufgrund des höheren Aufwandes ist der bedarfsorientierte Energieausweis deutlich teurer. Trotzdem wird er von vielen begrüßt, weil er die gebäudeenergetischen Merkmale des Objekts abgekoppelt vom Verbrauchsverhalten abbildet und so eine bessere Grundlage zur Beurteilung bildet. Er ist seit 2007 für alle Neubauten kategorisch vorgeschrieben, ebenso für ältere Gebäude, die nach diesem Stichtag nochmal erheblich saniert wurden oder werden.

Bei allen Gebäuden, die nicht unter diese Regelungen fallen, kann der Immobilienbesitzer zwischen dem Verbrauchsausweis und dem Bedarfsausweis wählen, wenn er seinen Energieausweis in Auftrag gibt. Ausstellen dürfen ihn nur Fachleute, die eine Weiterbildung zum Energieberater genossen haben: Zu ihnen gehören unter anderem Schornsteinfeger, Architekten und diverse Handwerksmeister sowie Techniker aus dem Baugewerbe.

Energieeffizienzklasse seiner Immobilie optimieren

In Deutschland gibt es beim Gebäudebestand nach wie vor die größten Energieeinsparpotenziale: Rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs fallen fürs Heizen und Warmwasser an, und ältere Gebäude verbrauchen im Allgemeinen immer noch wesentlich mehr Energie zum Heizen als Neubauten.

Wer also in puncto Energieeffizienz mit seiner Immobilie ein Treppchen hinauf möchte, kann dies durch eine Modernisierung seines Haushalts erreichen: durch den Einsatz von Energiesparlampen ebenso wie durch die Vermeidung von Stand-by-Stromfallen und die Investition in Wärmedämmung.

Ganz besonders wichtig ist der Bereich der Heizungsanlagen: Nur wenigen ist bewusst, dass zirka 25 Prozent aller aktuell sich in Gebrauch befindlichen Öl- und Gaskessel mehr als 20 Jahre alt sind und so den heutigen Umweltstandards nicht mehr entsprechen. Hier lassen sich durch eine Modernisierung Hunderte Euro pro Jahr sparen – zum Beispiel durch den Einsatz drehzahlgeregelter Umwälzpumpen, um nur ein Beispiel zu nennen.