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Alles über Bio-Erdgas & Co.

Grüner heizen geht kaum: Bio-Erdgas ist nachhaltig, CO2-neutral und günstig. Der Energieträger wird aus pflanzlichen und tierischen Abfallprodukten sowie aus extra angebauten Pflanzen gewonnen. Das aus Biogas gewonnene Bio-Erdgas lässt sich in herkömmlichen Gasheizungen verwenden – eine Umrüstung des Heizkessels ist nicht nötig.


Biogas, Erdgas, Bio-Erdgas – die Unterschiede

Bio-Erdgas zählt zu den erneuerbaren Energien – genauso wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie Erdwärme. Bio-Erdgas steht nahezu unbegrenzt zur Verfügung, da es aus Biogas gewonnen wird. Das wiederum ist ein natürliches Produkt, dass bei der Vergärung von organischen Substanzen unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff entsteht. Biogas lässt sich direkt zur Wärme- und Stromerzeugung in einem Blockheizkraftwerk nutzen.

Soll es ins Erdgasnetz eingespeist werden, muss Biogas die gleichen Eigenschaften wie der fossile Energieträger Erdgas aufweisen. Das brennbare Erdgas, das sich im Laufe von Jahrmillionen unter der Erde entwickelt hat, hat einen Methangehalt von bis zu 96 Prozent. Beim Biogas sind es lediglich maximal 60 Prozent.

In speziellen Anlagen wird das Biogas aufbereitet, wobei unter anderem der Methan-Gehalt auf das Niveau von Erdgas angehoben wird. Nach der Veredelung hat sich das Biogas verwandelt – in Bio-Erdgas. Bio-Erdgas kann ins normale Erdgasnetz eingespeist werden und lässt sich dann zum Heizen, zum Kochen, zur Stromerzeugung und als Kraftstoff nutzen.


Woraus Biogas gewonnen wird

Für die Herstellung von Biogas werden in erster Linie Abfall- und Reststoffe aus der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verwendet. Dazu zählen zum Beispiel Gülle, Mist, Ernterückstände und Einstreu, das in der Tierhaltung zur Abdeckung der Bodenfläche dient. Ebenfalls gut geeignet sind Abfälle aus Biotonnen. Darüber hinaus werden auf Äckern eigens zur Biogasgewinnung besonders schnell wachsende Pflanzen angebaut, wenn die Haupternten eingefahren sind. Zu diesen sogenannten Energiepflanzen zählen Grün-Roggen, Gräser, Energiemais, Zuckerrüben und Zuckerhirse. Die für den Verzehr nicht geeigneten Pflanzen und Pflanzenbestandteile dienen als Biomasse für das Biogas.


Wie Biogas hergestellt wird

Biogas wird in speziellen Biogasanlagen hergestellt. Das Herzstück einer solchen Anlage ist der Fermenter. Hier sorgen verschiedene Mikroorganismen dafür, dass die Biomasse unter Ausschluss von Luft und Licht vergärt. Dabei entsteht das Biogas. Die Vergärung erfolgt in drei Schritten: Zunächst zerlegen Hefe-Bakterien die Biomasse in Zucker und Alkohole. Eine weitere Gruppe von Bakterien sorgt anschließend dafür, dass sich daraus organische Säuren wie Essigsäure sowie Wasserstoff bilden. Im dritten Schritt kommen Methanbakterien zum Einsatz, die die organischen Säuren quasi auffressen und dabei das Biogas ausscheiden. Das von den Bakterien produzierte Biogas mit seinem Methangehalt von 40 bis 60 Prozent wird in einer dehnbaren Folienhaube direkt über dem Fermenter gesammelt.

Übrigens: Bei der Herstellung von Biogas fallen Reststoffe an. Diese sogenannten Gärreste bestehen aus nicht vollständig abgebauter Biomasse, Mineralien und Wasser – und eignen sich hervorragend als Dünger in der Landwirtschaft. Ein positiver Nebeneffekt der Biogasherstellung ist, dass großen Mengen des teuren Mineraldüngers eingespart werden können.


Wie Biogas zu Bio-Erdgas gemacht wird

Biogas setzt sich aus verschiedenen Rohstoffen zusammen und weist daher eine stark schwankende Beschaffenheit auf. Es lässt sich daher nicht einfach ins Erdgasnetz einspeisen und mit Erdgas vermischen, zumal ja auch der Methangehalt des Biogases viel niedriger als der vom Erdgas ist. Daher muss das Biogas veredelt werden, das erfolgt in speziellen Aufbereitungsanlagen – ebenfalls in drei Schritten.

Zunächst wird das Biogas entschwefelt und anschließend getrocknet. Danach erfolgt der aufwendigste Arbeitsschritt: Dem Biogas wird CO2 entzogen und der Methananteil auf mehr als 96 Prozent angehoben. Nach der Aufbereitung weist das Bio-Erdgas dieselben Eigenschaften wie das fossile Erdgas auf und kann über die Einspeisestation dem Erdgasnetz zugeführt werden. Dabei wird das Bio-Erdgas mit Hilfe von Kompressoren auf den in den Gasleitungen herrschenden Druck verdichtet und der Energiegehalt präzise eingestellt. Kommt es zu technischen Problemen, kann jede Aufbereitungsanlage separat vom Netz abgekoppelt werden.

Bio-Gas lässt sich das ganze Jahr über herstellen und zudem speichern, das macht es flexibler einsetzbar als etwa Sonnenenergie. Der Ertrag einer fußballfeldgroßen Anbaufläche von Energiepflanzen reicht aus, um mit Hilfe des daraus produzierten Bio-Erdgases den jährlichen Strombedarf eines Einfamilienhauses abzudecken.


Wofür sich Bio-Erdgas verwenden lässt

Das noch unveredelte Biogas und das Bio-Erdgas werden derzeit hauptsächlich zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt. Das erfolgt über Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) in Blockheizkraftwerken. Solche KWK-Anlagen bestehen aus einem Verbrennungsmotor, der einen Generator zur Stromerzeugung antreibt. Die dabei entstehende Abwärme kann über ein Wärmetauschersystem ausgekoppelt und zum Heizen und zur Warmwasserbereitung genutzt werden.

Befindet sich das Blockheizkraftwerk in unmittelbarer Nähe der Biogasanlage, kann es mit dem noch nicht aufbereiteten Biogas betrieben werden. Das aufbereitete Bio-Erdgas lässt sich über das gut ausgebaute deutsche Erdgasnetz auch zu beispielsweise im städtischen Raum angesiedelten Kraftwerken transportieren und dann dort zur Energiegewinnung nutzen.

Bio-Erdgas lässt sich außerdem in den Gasthermen und Gaskesseln privater Haushalte direkt zum Heizen sowie zum Kochen verwenden, eine Umrüstung der Anlagen ist dafür nicht vonnöten. Viele Gasversorger führen bereits spezielle Tarife für Endverbraucher im Programm, bei denen dem fossilen Erdgas eine bestimmte prozentuale Menge an Bio-Erdgas beigemischt ist. Es gibt auch Gas-Tarife, bei denen man ausschließlich Bio-Erdgas bezieht. Falls Sie mit dem Gedanken spielen, ihre Heizung auf Gas umzustellen: Moderne und günstige Gasbrennwert-Heizungen erhalten Sie in unserem Onlineshop.

Bio-Erdgas lässt sich überall dort einsetzen, wo auch Erdgas verwendet wird – daher kann es auch als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge genutzt werden. Es wird dann mit einem Anteil von zehn bis 20 Prozent dem Kraftstoff beigemischt. In Deutschland gibt es rund 920 öffentliche Erdgastankstellen, etwas 15 Prozent von ihnen setzen bereits Bio-Erdgas ein.

Veröffentlich am 1. Juni 2017 von Mark Arps